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Jivamukti Focus of the Month

Big Brother Beobachtet Dich

yadā yadā hi dharmasya glānir bhavati bhārata abhyutthānam adharmasya tadā‘tmānaṁ sṛjāmy-aham

In Zeiten in denen Gerechtigkeit immer weniger und Ungerechtigkeit immer mehr zu scheinen wird, manifestiert sich der Herr der Gnade und des Mitgefühls (Krishna) um Balance zu schaffen.

Bhagavad Gita IV.7

Wir kontrollieren Materie weil wir unsere Gedanken kontrollieren. Die Realität ist in unserem Schädel.” – George Orwell, Animal Farm

“Denn wenn ihr mich hinrichtet werdet ihr nicht leicht einen andern solchen finden, der ordentlich, sollte es auch lächerlich gesagt scheinen, von dem Gotte der Stadt beigegeben ist wie einem großen und edlen Rosse, das aber eben seiner Größe wegen sich zur Trägheit neigt und der Anreizung durch den Sporn bedarf, wie mich scheint der Gott dem Staate als einen solchen zugelegt zu haben, der ich auch euch einzeln anzuregen zu überreden und zu verweisen den ganzen Tag nicht aufhöre, überall euch anliegend.” – Sokrates

 Gruppendenken ist ein Ausdruck für die Praxis der Entscheidungsfindung innerhalb einer Gruppe, die Kreativität und individuelle Verantwortung ablehnt. Gruppendenken verlangt von Individuen, dass sie auf das erheben kontroverser Themen verzichten und auch keine alternativen Lösungen vorschlagen. Das Resultat ist der Verlust individueller Kreativität, Einzigartigkeit und unabhängigen Denkens. Der Ausdruck ist einer moderne Version von “Doublethink” aus Orwells Roman 1984, der in einer Dystopie spielt. Einer Welt in der die Bewohner unter ständiger Überwachung durch den totalitären Staat leben und durch Bildschirme sowie Mitbürger kontrolliert werden. “Big Brother” ist der Regierungschef, der die ultimative Kontrolle über alle menschlichen Interaktionen hat – mit deren Einverständnis. Einige der Eigenschaften von Gruppendenken sind: Vorstellung von Unverwundbarkeit, unbestrittener Glaube, Stereotypisierung der Gegenseite als schwach, voreingenommen, impotent oder dumm; Eigen-Zensur von abweichenden Ideen; Illusion von Einstimmigkeit; Druck sich anzupassen; Mangel an unparteiischer Führung; Versagen, welches zu geringem Selbstwert führt; Morale Dilemmas, die Stress erzeugen; ein hoher Grad an Kohäsion welcher zu Ent-Individualisierung führt. In der Vergangenheit wurde Gruppendenken in unsinnigen politischen Entscheidungen, Kultverhalten und in letzter Zeit auch dem Verhalten von Männern zu Frauen und anders herum zitiert. Es scheint, als sei Gruppendenken heutzutage mehr die Regel als die Ausnahme. Mit dem Internet in der Rolle der süchtig machenden Kontroll-Agentur über das Herdenverhalten. “Viral” beschreibt sehr gut den Weg über den eine Idee – gut oder schlecht – heute die Gedanken von hunderten oder tausenden Menschen innerhalb weniger Stunden oder Tage über Facebook oder Twitter infizieren kann.

“Ich frage mich zunehmend ob soziale Medien, insbesondere Twitter und Facebook, ein Medium für zivilen Dialog sein können. Die Zahl an Angriffen, welche ich entweder selbst erfuhr oder beobachtet habe ist erschütternd. Ich bin an dem Punkt angelangt, bei dem ich selten noch auf Kommentare antworte – weder auf Twitter noch auf Facebook…”1

George Orwell schrieb sein Buch “1984” im Jahr 1946 als eine Reaktion auf die Gefahrenmeldungen des totalitären Regimes im zweiten Weltkrieg.

“Wir, die Partei kontrollieren alle Aufnahmen und alle Erinnerungen. Dann kontrollieren wir auch die Vergangenheit oder?”2

Ich habe kein iPhone und hatte noch nie eins. Als Konsequenz bin ich daher immer auf der Kameraseite, wenn Menschen miteinander sprechen, Pläne machen, die neusten Nachrichten lesen oder sich Meinungen bilden. Ich habe einen Computer und bin mir sehr wohl darüber bewusst, dass das Kameraauge mich beobachten kann und von anderen kontrolliert werden kann (ich halte es bedeckt). Es gibt derzeit einen ominös unklaren Verfall an Gerechtigkeit in der Welt und eine Tendenz der Menschen sich zum Subjekt von emotionaler Ansteckung zu machen und die eigene Meinung zu opfern um in der Gruppe zu bleiben. Die unechten Beziehungen in den sozialen Netzwerken haben authentische Gnade und Mitgefühl durch Hass und Feindschaft ersetzt. Die Angst berührt zu werden oder zu berühren wächst.

“Fast 20% der Zeit gesamten Online Zeit in den USA wird auf sozialen Netzwerken verbracht (Desktop und Mobile). Facebook allein macht schon 14% der gesamten Zeit aus die Online verbracht wird. Mit dieser Menge an Zeit vor Augen, kann man argumentieren, dass soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook einen großen Teil unseres Lebens ausmachens. Das wirft die Frage auf: welchen Einfluss haben soziale Medien auf unser Denken? Begünstigen sie Gruppendenken?”3

 Im 18. Jahrhundert entwarf ein Genosse namens Jeremy Bentham eine Architektur, die sich Panoptikum nennt. Das Panoptikum erlaubt einem einzelnen Betrachter gleichzeitig mehrere Gefangenen in ihren Zellen zu beobachten. Heute hat sich das Blatt gewendet und wir alle werden von vielen Augen gleichzeitig beobachtet. Wir haben etwas erschaffen das sich “Das Internet der Dinge” nennt – es beobachtet uns von unseren Küchengeräten, Automobilen, smarten Messgeräten, Kameras und vielen anderen Quellen, die eingebaute Elektronik, Software, Sensoren, Aktuatoren und Verbindungen haben über die sie alles aufzeichnen können. Jeden einzelnen Aspekt unseres Alltags. Diese Aufnahmen werden in “Big Data” Cloud-Speichern gesichert und können von Marketern, Hackern, Regierungsorganisationen oder einfach Problemmachern abgerufen werden. Ganz gleich ob ein Chip auf deiner Kreditkarte oder ein Herzschrittmacher – all diese Cyber-Physikalischen Systeme haben uns unserer Privatsphäre beraubt. Es scheint nicht weiter schlimm, dass der Barcode auf deinem Veggie-Burger mit deinem Kühlschrank kommunizieren kann und darüber die Werbung verändert wird welche du online siehst. Genauso mag es nicht wichtig erscheinen, dass dein Schlafrhythmus aufgezeichnet wird und dein Nutzerverhalten auf deinen elektronischen Geräten. Doch nimmt man all diese Aufzeichnungs-Technologien zusammen könnte deine Freiheit eingeschränkt werden, da sie immer weiter verbreitet, unreguliert und missbraucht werden.

Ist eure Yoga Klasse eine Gruppendenk-Erfahrung? Ist euer Yogalehrer*in ein Gesandter der Angst zu berühren oder berührt zu werden?

Eine Yoga Klasse ist eine Gruppenaktivität, die in Echtzeit durchgeführt wird, mit echten Menschen, die eine Möglichkeit bieten soll sich aus dem selbst-zentrierten Fokus zu befreien und einander in der individuellen kosmischen Präsenz zu zelebrieren. In einer Yoga Klasse bewegen wir uns gemeinsam in einem Zustand von Über-Bewusstsein.

Innerhalb einer Yoga Klasse hat die Gruppe die Funktion von dem “Internet der Dinge” zu befreien und die Türen der Wahrnehmung zu öffnen. Die Yoga Praxis ist ein Dialog zwischen Gott und dem Hingebungsvollen. Im Internet bewegen wir uns in gedanklichen Kreisen ohne Bewusstsein. Die Erfahrung des Internets ist virtuell, isolierend und oft anonym. Das Internet schließt die Türen unserer Wahrnehmung und verdeckt die Individualität unter einem Schatten von Konformität. Soziale Medien geben uns das Gefühl Freunde zu haben ohne Verantwortung für die Freundschaft tragen zu müssen. Soziale Medien erzeugen die Illusion von Zugehörigkeit durch den Effekt eines falschen Konsens und werden zu einem Filter durch den wir die Welt (nicht) sehen. Das Internet aktiviert Gruppendenken mit kollektiven Narzissmus und berührt niemanden.

Gruppendenken verhüllt die Realität, Yoga-Denken enthüllt sie. Der Herr der Gnade und des Mitgefühls wird erscheinen sobald Menschen ihre persönlichen Daten und ihr Recht in Kleinheit zu verschwinden wieder zurückerobern. Damit sie wieder wahrhaftig groß und furchtlos sein können.

Original: David Life, NYC
Übersetzung: Dana Sertel