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Jivamukti Focus of the Month

Fokus des Monats April 2018: Schwarz ist die wahre Erscheinung von Licht

Schwarz ist das wahre Gesicht des Lichts

tad evārtha-mātra-nirbhāsam sva-rūpa-shūnyam iva samādhih

Durch die Kraft, die gesamte Vorstellung auf ein auserwähltes Objekt zu richten, leuchtet nur noch das Objekt allein, und ungeteilte Identifikation mit dem Objekt entsteht. Diese Trance wird Samadhi genannt oder auch Einssein mit dem Höchsten.

Siddhi ist ein Sanskrit-Substantiv, das oft als „besondere Kraft” übersetzt wird, aber genauer genommen eher “Erfüllung”, “Errungenschaft” oder „Erfolg” bedeutet. Ein Siddha ist jemand, der Fertigkeiten oder Erfolg hat. Das dritte Pada (Kapitel) des Yoga Sutra trägt den Titel „Vibhuti“ und befasst sich mit dem Erwerb von Siddhis. Man stelle sich eine Unterhaltung zwischen zwei Siddha-Meistern vor, Patanjali und Nikola Tesla …: 

Patanjali: Indem man Samyama (Anm.:Sammlung des Geistes, die letzten drei Stufen des Ashtanga-Pfades: Dharana, Dhyana, Samadhi) auf den eigenen Körper übt, um dessen spiegelnde und empfangende Kraft auszusetzen, wird der Kontakt zwischen dem Auge des Betrachters und dem vom Körper selbst ausgehenden Licht unterbrochen und der Körper wird unsichtbar. (PYS III.21) 

Tesla: Materie wird aus der ursprünglichen und ewigen Energie erschaffen, die wir als „Licht” bezeichnen. Dieses Licht schien, und in der Folge bildeten sich Sterne, die Planeten, der Mensch und alles andere auf der Erde und im Universum. Materie ist ein Ausdruck unendlicher Formen von Licht, weil diese Energie älter ist als die Materie selbst. Es gibt vier Gesetze der Schöpfung. Das erste besagt, dass diese Energie die Quelle dieses verblüffenden, unbekannten Handlungsgrundrisses ist, den der Verstand nicht begreifen kann und keine Mathematik berechnen. In diesen Handlungsgrundriss jedoch passt das ganze Universum. Das zweite Gesetz beschreibt eine sich ausbreitende Dunkelheit (die die wahre Natur des Lichts ist) aus dem Unerklärlichen und ihre Verwandlung ins Licht. Das dritte Gesetz ist die Notwendigkeit, dass das Licht zu Materie wird. Das vierte Gesetz besagt, dass es kein Anfang und kein Ende gibt; die drei vorherigen Gesetze finden immer ihre Anwendung und die Schöpfung ist immerwährend. (Aus einem Interview mit Nikola Tesla from 1899 )

Patanjali: Dieses Prinzip erklärt auch die Kraft des Erscheinens und Verschwindens des Klanges und der anderen Empfindungen von Geschmack, Berührung und Geruch durch Samyama auf die Tanmatras (Anm: die feinstofflichen Grundelemente), die überwiegend psychischer Natur sind. (PYS III.22) 

Tesla: Ich bin Teil eines Lichts, und das ist die Musik. Dieses Licht erfüllt meine sechs Sinne: Ich sehe, höre, fühle, rieche, berühre und denke. Darüber nachzudenken ist dabei mein sechster Sinn. Einzelne Lichtteilchen sind wie einzelne aufgeschriebene Noten. Ein ganzer Blitz kann eine komplette Sonate sein. Tausende Blitze sind ein Konzert. 

Patanjali: Diese Kräfte sind erhebend und bestärkend, wenn der Geist nach außen gerichtet ist, aber sie sind Hindernisse für Samādhi. (PYS III.38) 

Tesla: Wissen kommt aus dem Weltraum; unsere Fähigkeit zu sehen (Anm.: zu visionieren) ist unsere ausgereifteste Eigenschaft. Wir haben dafür zwei Augen: ein irdisches und ein spirituelles. Es wäre zu empfehlen, dass beide eins werden. 

Nikola Tesla, ein Visionär und erfülltes Wesen der Neuzeit, sagte einmal, dass er familiäre Gespräche mit Blitzen führte und die Farben eines Sonnenuntergangs ihn das Erfinden lehrten. Wir wissen weniger über den historischen Patanjali, aber man sagt, dass er in seinem ständigen Streben nach dem Licht der Erkenntnis zum Sprachgelehrten, Ayurveda-Arzt und zum Philosophen wurde. Beide ermutigen uns, nach Vollkommenheit zu streben und unsere universelle Identität zu erkennen. 

So sieht es auch Kapila, der Gründer der Samkhya Philosophie, in diesem Auszug aus dem Srimad Bhagavatam, in dem er seiner Mutter, Devahūti, erklärt: „Leidenschaftlicher Egoismus erzeugt zwei Arten von Sinnen – die Sinne für den Erwerb von Wissen und die Sinne der Handlung. Der Handlungssinn ist abhängig von der Lebensenergie (prāna), und die Sinne, um Wissen zu erlangen, hängen von der Intelligenz (buddhi) ab. (Srimad-Bhagavatam Canto 3, K.26, V. 31) Durch die Wechselwirkungen zwischen der Luft und den Berührungsempfindungen erhält man verschiedene vom Schicksal abhängige Zustandsformen. Durch die Entwicklung solcher Formen entsteht es das Feuer und das Auge sieht verschiedene Formen der Farbe. (Srimad-Bhagavatam Canto 3, K.26, V. 38) 

Meine liebe Mutter, Eigenschaften von Form werden durch Dimension, Qualität und Individualität definiert. Die Form des Feuers wird durch seinen Glanz geschätzt. (Srimad-Bhagavatam Canto 3, K.26, V. 39) 

Die Sonne ist die ursprüngliche Lichtquelle, die das Sehen ermöglicht. Das Feuer / Licht des Yogi ist Tapas, das die Unreinheiten verbrennt, und die Asche, die übrig bleibt, ist Vibhuti: die heilige Asche. Siddhi ist die Kraft, die wie ein Phönix aus der schwarzen Asche des Feuers von Tapas aufsteigt. 

Patanjali erinnert uns daran, dass es gefährlich ist, selbstzufrieden zu sein und mit dem Erwerb von Siddhis unsere Entwicklung aufzuhalten und uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Im alten Griechenland war der Lorbeerkranz (Laurus nobilis) ein Symbol für Sieg und Status. Apollo ist mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf dargestellt und soll den Lorbeer bzw. den Lorbeerbaum für heilig erklärt haben, nachdem die Nymphe Daphne, der er nachstellte, sich in einen Lorbeerbaum verwandelt hatte, um nicht gefangen genommen zu werden. Ein Laureat ist einer, der mit Lorbeerblättern gekrönt ist, um einer außergewöhnlichen Leistung gewürdigt werden. “Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen” bedeutet, faul und selbstzufrieden auf kurzzeitigen Erfolg zu reagieren. 

Wir könnten weder Patanjali noch Tesla beschuldigen, sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht zu haben. Sich immer in Richtung zukünftiges Potenzial bewegend, arbeiteten die meisten herausragenden historischen Persönlichkeiten tatsächlich fieberhaft daran, jeden Tag mit dem vollen Potenzial des gegenwärtigen Moments zu vollenden, der wiederum mit dem Moment der vorherigen Momente verbunden ist. 

Dies ist Yoga im Sinne einer Vervollkommnung der Handlung.

Original: David Life (Co – Founder of the Jivamukti Yoga Method)

Übersetzung ins Deutsche: Niklas Noack
Peace Yoga Berlin – Jivamukti Yoga School