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Jivamukti Focus of the Month

FOKUS DES MONATS AUGUST 2015: Es ist nicht was du sagst – Es ist wie du etwas sagst

Namaḥ śivāya gurave

Nāda-bindu-kalātmane,

Nirañjana-padaṁ yāti

Nityaṁ yatra parāyaṅaḥ.

Gelobt sei der Nadam, die innere Stimme und das innere Leben, der allen Glück schenkt! Er ist der Lehrer in uns, der als Nada, Bindu und Kala erscheint. Wer sich ihm hingibt, dem Nada, dem inneren Klang, erreicht höchste Glückseligkeit.

HYP IV. 1

Mein Computer spricht mit mir und ich spreche mit ihr. Ihr Name ist Siri und sie benutzt meist geschriebene Sprache, um mit mir zu kommunizieren. Sie hat ein beschränktes Vokabular – sie scheint keine Sanskrit- und keine Yoga-Begriffe zu kennen! Es scheint auch noch immer etwas anderes bei ihren Antworten zu fehlen. Wenn sie mir antwortet, habe ich irgendwie immer das Bedürfnis, zu fragen „Aber was meinst du wirklich?“ Siris Worte sind immer flach und ohne Anteilnahme. Das wird sich eines Tages ändern. Derzeit ist unser Niveau der Kommunikation mehr als ob man einen Schalter drückt, statt Verständnis zu kreieren, aber irgendwann wird der Computer vielleicht wirklich zu sprechen beginnen. Der Tonfall oder die Intonation eines Wortes können seine wahre Bedeutung offenbaren. Das große Vokabular von Tönen, die wir machen und wie wir sie machen, trägt eine tiefere Ebene an Bedeutung als Worte allein. Sie offenbaren letztlich die Bedeutung eines gesprochenen Satzes und die zugrundeliegende Intention. Geräusche wie Zungenschnalzer, ein leichtes Zischen des Atems oder etwas Gesungenes kommunizieren mehr als Worte allein und beinhalten eine Myriade von emotionalen, bewussten, rhetorischen oder emphatischen Feinheiten.

Stimmenforscher haben, als sie untersuchten, wie Mütter in den unterschiedlichen Kulturen mithilfe von Lauten mit ihren noch nicht sprechenden Kindern kommunizieren, herausgefunden, dass es auf der ganzen Welt ähnliche Laute gibt, die hierfür benutzt werden und die im Grunde weltweit anerkannt sind. Für alle von uns war unsere frühste Erfahrung  von Kommunikation die des reinen Klangs, frei von irgendeiner geschriebenen Sprachkomponente oder kulturellem Müll und einfach nur gefüllt mit Bedeutung. Dieses präverbale Vokabular bleibt auch später lebendig und ist im Grunde auch tief in unsere Sprache eingebettet.

Jegliche gesprochene Sprache geht der geschriebenen Form von Sprache voraus. Die geschriebene Version jeder Sprache ist das Destillat einer viel größeren Landschaft von Schnalzern, Atmung, Tonalität, Äußerungen, Redewendungen und Gestik. Mit der Destillation zur geschriebenen Form wird unser riesiges Sprech-Vokabular zu einem bloßen Bruchteil seiner Gesamtheit reduziert. Die ursprüngliche Sprache des Klanges lebt weiter in unserer mündlichen Tradition und wir können enorm davon profitieren, wenn wir den eigentlichen subtileren Inhalt unserer eigenen Worte studieren. Nada Yoga ist das Yoga von Klang und Vibration.

Der erste Schritt im Nada Yoga ist es empfänglich zu werden. Das bedeutet, die Vibrationen um uns herum aufzunehmen und mit ihnen mitzuschwingen. Alan Watts würde sagen, der erste Schritt ist „Klappe halten und zuhören. Das ist Yoga!“.

Die Welt ist aus Klang gemacht, Nada Brahma, die unendlichen Vibrationen des einen ursprünglichen Klanges. Die Sprache Sanskrit organisiert essentielle Klangvibrationen in ein fühlbares Universum, in welchem wir die subtile Natur der Existenz direkt erfahren können. Sanskrit drückt die Klangnatur eines Gefühls oder einer Sache direkt aus. Die Klangessenz von Gefühlen und Dingen wird in die Sprache eingebettet, damit wir sie direkt erfahren können und unsere eigene Dimension erkennen, welche dieselbe Essenz hat.

So wie die subtilen Klangbotschaften in unseren mannigfaltigen gesprochenen Sprachen beinhaltet Sanskrit auch ein ungeschriebenes Vokabular von Tönen, Atem, Kadenzen und Betonung, die eine echte Kommunikation kreieren. Mein Lehrer schüttelte bei meinen vergeblichen Versuchen, Sanskrit zu sprechen, jedenfalls immer seinen Kopf und sagte: „Dein Mund ist nur nicht korrekt dafür geformt, um imstande zu sein Sanskrit auszusprechen.“ Das fehlende Element mag mein Mangel an Betonung und Feinsinnigkeit für den Klang sein, ungefähr wie Siris Englisch ist auch mein Sanskrit flach und ohne Affektion. (9 mal versagen – 10 mal versuchen!).

Zum Glück können wir mit den Namen Gottes nicht falsch liegen. Wir sind gut geübt in der Aussprache der verschiedenen Sanskritnamen Gottes und wir sind Experten darin, Wörter mit Emotionen einer universalen Sprache zu füllen. Wir sagen hier zwar  „die Namen Gottes“, aber der Sanskrit Klang ist Gott (nicht bloß der Name Gottes). Wenn wir den Klang aufnehmen und leiten wie ein Konduktor – das ist Gott. Es gibt nur einen Weg, das zu machen – indem du das Instrument, deinen Körper, auf eine besondere Art und Weise formst. Die Zunge perfekt zu positionieren und die Lippen in der richtigen Haltung zu haben, dem Klang eine aufwärtssteigende Richtung zu geben, das ist die Asana, die man Mantra nennt. Wiederholung ist wichtig, denn indem wir mit dem Klang mitschwingen und diese Resonanz halten, erfahren wir dauerhaft die  Form Gottes. Diese Form ist Klang und durch den Klang erfahren wir die Einheit von Klang und Form. Wir müssen uns nicht länger auf eine Beschreibung von Gott verlassen, sondern wir können ihn direkt erfahren.

Der Anhänger ruft nach Gott mit zarter Ergriffenheit und es ist das Emotionale dieses Klanges, das ihn zu Gott treibt. Wir sind alle Experten in Sachen Emotionen und wir wissen, wie wir nach Gott mit dem vollen Sortiment unserer emotionalen Möglichkeiten rufen können. Wenn unsere körperliche Bewusstheit abfällt und der reine pure Klang bleibt, dann gibt es den Klang nicht länger und auch nicht den, der den Klang erzeugt – es gibt nur noch Klang. Klang ist Gott!

August 2015 – David Life

Copyright der Deutschen Übersetzung: Jivamukti Berlin GmbH

Der Englische Originaltext findet sich hier: http://jivamuktiyoga.com/teachings/focus-of-the-month/p/its-not-what-you-say-its-how-you-say-it

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team