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Jivamukti Focus of the Month

Fokus des Monats August 2018: H2OM

H2OM

patraṁ puṣpaṁ phalaṁ toyaṁ yo me bhaktyā prayacchati tad ahaṁ bhaktyupahṛtam aśnāmi prayatātmanaḥ

Was auch immer Mir mit reinem liebenden Herzen gewidmet wird nehme ich an, ganz gleich ob es klein wie ein Blatt ist, eine Blüte, ein Stück Obst oder ein Schluck Wasser. 

– Bhagavad Gita, IX.26 

Ich drehte den Wasserhahn auf und füllte ein kleines Glas, so wie ich es seit einem Monat täglich tat. Das Wasser war immer noch braun. Nicht bräunlich wie dünner Tee, sondern dickflüssig braun, wie eine aufgewühlte Wasserpfütze. 

Momentan ist das Wasserreservoir von Kapstadt fast leer. In Kalifornien herrscht wieder einmal Dürre, und die Trinkwasserkrise kommt auch zuhause an. Bei uns in Woodstock haben wir unseren eigenen Brunnen und ich habe das klare, unbehandelte Wasser jahrelang für selbstverständlich gehalten. Panisch, mit der Vorstellung, dass sich Heizungsrohre und Wassertanks jetzt mit Matsch füllen, fragte ich mich: Wird Krishna meine Gabe in Form von Matsch akzeptieren? Der obige Vers aus der Bhagavad Gita besagt, dass die Art der Gabe weniger wichtig ist als die Aufrichtigkeit, mit der sie gegeben wird. Aber ich konnte trotzdem nicht anders, als mich zu fragen, ob das Wort “Schluck” Wasser impliziert, dass es trinkbar sein muss. Ich fuhr zum Supermarkt, um große Plastikkanister mit “Quellwasser” zu kaufen. 

Sie kosteten 3 Dollar pro Stück und ich überlegte, ob das nun der Preis für die schicken Kanister mit eingebautem Zapfhahn oder der Preis des Wassers war. Viele der Orte, die wir im Laufe der Jahre bereist haben, um dort Yoga zu unterrichten, sind von Trinkwasserknappheit bedroht: Bangalore, Peking, Kairo, Moskau, Istanbul, Mexico City, London, Tokyo und Miami. An jedem dieser Orte bekamen wir Plastikflaschen mit “trinkbarem” Wasser. Die Problemursachen sind überall unterschiedlich und eine universelle Lösung gibt es wahrscheinlich nicht. Natürlich sollte man daran arbeiten, die gängigen Nutzungsgewohnheiten der Menschen zu verändern. Diese Gewohnheiten sind tief eingeprägt und resultieren daraus, dass wir sauberes Wasser oft selbstverständlich nehmen. Wir spülen es die Toilette hinunter und lassen es großzügig aus dem Hahn laufen. Die Erde besteht zwar aus 70% H2O, aber davon sind nur 2,5% trinkbar und nur 1% überhaupt zugänglich. Mehr als eine Milliarde Menschen lebt ohne ausreichend sauberes Trinkwasser. Die Nutzung von Wasser in der Tierindustrie ist wahrscheinlich die absolut größte Verschwendung von allen. Man braucht ca. 8.000 Liter Wasser, um ein Pfund Rindfleisch zu produzieren – im Vergleich dazu liegen Kartoffeln bei 270, Weizen bei 490 Liter je Pfund. Aber es ist nicht nur die Wassernutzung, die wir im Auge behalten müssen, um sauberes Trinkwasser zu bewahren. 

Den Großteil der Menschheitsgeschichte haben wir Elemente wie Wasser und Luft als unerschöpflich betrachtet, als selbst regenerierend, kostenlos und unverschmutzbar. Jetzt, wo wir unsere Ressourcen schrumpfen und verderben sehen, sind der korrupten Privatisierung der Elemente, die lebenswichtig sind und daher für alle frei verfügbar sein müssten, Tür und Tor geöffnet. 

Vor ein paar Jahren tauchten in den Straßen von New York City ein paar großartige Guerilla-Kunstposter auf, auf denen die Flaschen einer beliebten Wassermarke abgebildet waren; allerdings mit Luft statt Wasser gefüllt. Die Botschaft des Posters: Wenn wir unsere wertvollen natürlichen Ressourcen nicht vor Privatisierung beschützen, dann verlieren wir sie an einen Ozean aus Plastik. In Kalifornien wird kostbares Wasser eingesetzt, um Mandeln und Granatäpfel anzubauen. Exotische Erzeugnisse für eine privilegierte Klasse. 

All das ist wirtschaftlich begründete Knappheit. In Subsahara-Afrika geht das wahre Potenzial der Menschen, besonders von Frauen und Kindern, an die Wasserbeschaffung verloren, und an durch Schmutzwasser übertragene Krankheiten. Wenn Menschen auf der Wall Street für die Umverteilung des Wohlstandes der reichsten 1% demonstrieren, wie viele von ihnen sehen, dass sie freien Zugang zu dem einen Prozent sauberen Wassers haben und damit sehr privilegiert sind? Wie viele trinken ihr Wasser aus teuren Plastikflaschen? 

Wir reisen oft nach Indien und neuerdings auch nach China, und dort kann man einige interessante Perspektiven gewinnen. Es wird beispielsweise ziemlich klar, was passiert, wenn die Bevölkerungszahl über die Belastungsgrenze der Erde hinausgeht. Überall sind Menschen, die einander eifrig Dinge wegnehmen, um noch eine Minute, einen Tag, eine Woche zu überleben. 

Der Erde geht das Wasser aus, das die Menschheit zum Leben braucht. 

“Family living can be existing and everyone can come to be a dead one, and not anyone then, is remembering any such thing” (Gertrude Stein) Nach den hinduistischen Schriften wird Kali Yuga (das aktuelle Zeitalter) auf schnelle und flammende Weise zu Ende gehen und alles Leben, wie wir es kennen auslöschen. Es ist unser Job als Yogis, dabei immerwährenden Gleichmut zu bewahren und die richtigen Aufgaben in Hingabe zu unserem Dharma weiter zu erfüllen. Auf die Zerstörung dieser Welt folgt die Schöpfung einer neuen. 

Auf das Satya Yuga (Goldenes Zeitalter) folgte Treta Yuga (weniger tugendhaft, Erfindung der Landwirtschaft), dann Dwapara Yuga (tamasisch, Unzufriedenheit, Seuche), dann unser aktuelles Kali Yuga (mit noch ungefähr 427.000 Jahren voller Lügner, Heuchler, Umweltverschmutzung und Wasserknappheit). Während Kali Yuga werden die Herrscher unvernünftig und hören auf, ihre Untertanen zu schützen oder Spiritualität zu fördern; sie werden gefährlich. Menschen werden auf der Suche nach Ländern mit Wasser und Nahrung zu Migranten; sie verspüren Gier, Zorn und Mordlust; das Anhäufen materiellen Reichtums, Lust, Sucht nach Essen und Drogen und die Objektivierung lebender Dinge (Tiere, Menschen) werden zu zentralen Aspekten des Lebens. Nur ein paar wenige Glückliche respektieren Lehrende und ihre Lehren. 

Die gute Nachricht ist, dass es innerhalb der ersten 10.000 Jahre des Kali Yuga ein goldenes Zeitalter gibt, in dem die Praktiken des Yoga noch präsent sind. 5.000 Jahre von Kali Yuga sind schon vergangen; wir haben also noch 5.000 Jahre, in denen wir mit dem Wissen der Yogatraditionen gesegnet sind. Wir haben noch Zeit, Frieden zu schaffen und die trüben Gewässer des Elends zu beruhigen.

Original im Englischen: David Life 
(Co – Founder der Jivamukti Yoga Methode)

Übersetzung ins Deutsche: Moritz Ulrich
Peace Yoga Berlin – Jivamukti Yoga School