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Jivamukti Focus of the Month

FOKUS DES MONATS MAI 2015: WAS IST DER SINN DES LEBENS?

Wer weiß und wer von uns kann wirklich erklären, wo das Leben entstand und woher es kommt? Rg Veda

Wenn wir uns mit unlösbaren Fragen beschäftigen, hat die Sprache der Rg Veda bis heute überlebt. Wir zucken mit der Schulter und sagen: “Wer weiß?” Was wir wirklich meinen, ist, dass es keiner weiß. Ein von der Wahrheit getrenntes Individuum kann die Wahrheit in ihrer Gesamtheit nicht verstehen. Wir können sie nur erfahren, wenn der Wissende sich im Wissen auflösen. Das Auge kann das Sehen nicht sehen und die Nase kann das Riechen nicht riechen. Die Wahrnehmung des Geruchs im Gehirn und das Riechen sind von sich aus miteinander verbunden und für einander unsichtbar. Wir müssen nicht wirklich nach dem Sinn des Lebens suchen. Es bezieht sich nur auf sich selbst. Das Leben hat einen immanenten Sinn und Wert ohne irgend einen anderen Bezug. Das Leben ist nicht Ursache, sondern Wirkung. Wir können als spirituelle Praxis nach dem Sinn des Lebens aufspüren. Bei spirituellen Bemühungen geht es nicht darum, den Sinn des Lebens (oder des Sterbens) zu erkennen, sondern die Gelegenheit des Lebens zu nutzen um das zu verwirklichen, was die Rg Veda “das Eine” nennt. “Atemlos, durchs eigene Wesen beatmet; ohne dies hat es nie etwas gegeben. Es gibt nichts hiervon Getrenntes – Das Eine ist alles.” Unser Leben gibt uns die Möglichkeit, es zu fühlen, zu erkennen und das Eine zu werden. Das ist kein objektives Experiment, sondern eine subjektive Herangehensweise an die Unendlichkeit, die nicht beschrieben, sondern nur gefühlt werden kann. Das Leben deutet nirgendwo anders hin, das Leben umfasst die Unendlichkeit in den Erscheinungsformen der Existenz und hat seinen eigenen, ihm innewohnenden Wert. 

Jeden Tag, an dem wir leben, offenbart uns das Leben seinen Sinn. Wir werden erzogen, hart zu arbeiten und ein Ziel im Leben zu erreichen, doch manchmal hindert uns das Verfolgen dieses Ziels daran, jeden einzelnen Tag voll und ganz zu erleben. Wir sehen nur das Ziel, das wir nicht erreicht haben. Man kann den Sinn eines Lebens mit dem Erreichen eines Ziels gleichsetzen, und wenn es nicht erreicht wird, hatte das Leben keinen Sinn. Wir müssen dieses Ziel nicht aufgeben, aber “der ganze Weg zum Himmel sollte himmlisch sein,” ansonsten bist du vielleicht auf dem falschen Weg. Das Leben besteht aus leben, und kann nicht warten bis du dein Ziel erreichst. 

Bist du ein körperliches Wesen, das eine spirituelle Erfahrung macht oder ein spirituelles Wesen, das eine körperliche Erfahrung macht? Wir können ziemlich sicher sein, dass wir körperliche Wesen sind und manchmal machen wir sogenannte spirituelle Erfahrungen. Es ist sehr schwierig, ein spirituelles Wesen zu sein, das eine körperliche Erfahrung macht, einfach weil wir uns als getrennt von der Seele sehen.  Wir können bestätigen, dass wir einen Körper und einen Verstand haben, aber die subtile Existenz einer Seele mit dem Intellekt zu erfassen ist schon schwieriger. 

Die Seele kann man fühlen – also fühl’ mehr und denk’ weniger.

Einst gab es einen Ashram in den Bergen, in dem junge Mönche ausgebildet wurden. Eines Tages saßen zwei Mönche  in Meditation und  betrachteten die Gebetsfahnen. Der jüngere Mönch sagte “Der Wind bewegt die Fahnen.” Der ältere Mönch schnaubte und sagte: “Die Fahnen bewegen sich.” Sie begonnen, sich darüber zu streiten, was bekannt und was unbekannt ist und als sie zum Abendessen kamen, stritten sie sich immer noch, ob der Wind die Fahnen bewegt oder ob sich die Fahnen bewegen. Die Köchin im Ashram war eine sehr weise Frau, die im Lauf der Jahre schon viele Generationen von Mönchen hatte kommen und gehen sehen. Sie war eine erleuchtete Seele, als einfache Köchin getarnt. Als die Köchin den Streit der Mönche mitbekam, stand sie in der Nähe ihres Tisches. Sie trug einen langen Umhang und hatte ihre Arme darunter versteckt. Sie sah die Mönche nur an und begann, wild mit ihren Armen zu wedeln und zeigte ihnen damit, dass wir die Bewegung von Wind und Fahnen nicht kennen, wir wissen nur, dass es das “Wedeln” gibt. – Zen Tradition

“Im Hier und Jetzt Sein” ist ein Klischee im Yoga, aber in Wahrheit, wenn wir das Leben mit Staunen und Neugier erleben, wie es sich jeden Moment entfaltet, offenbart sich der Sinn des Lebens. Ein sinnvolles Leben ist ein Leben, das jeden Moment als einen Moment im Rahmen der Schöpfung feiert.

Bevor du irgendetwas tust, überleg dir: “Wird mich diese Handlung näher an die Essenz des Lebens bringen oder werden wir mit dieser Handlung nur tiefer in Ignoranz sinken?” Manchmal ist es schwer diese Entscheidung zu treffen und wir haben selten die Zeit, uns hinzusetzen und den nächsten Schritt zu planen. Deswegen versucht die Yoga Asana Praxis, unbewusste Tendenzen und mentale Angewohnheiten offen zu legen, die uns unerfüllt auf der Stelle treten lassen. Wenn uns unbewusste Tendenzen bewusst werden, wird uns ein Moment der Bedachtsamkeit gegönnt, bevor wir reagieren. Unbewusste Tendenzen werden durch eine neue Struktur der Bewegung ersetzt, die auf die Kräfte der Erde ausgerichtet ist. Die Geometrie der Yoga Asana Praxis öffnet subtile Leitbahnen im Körper und Geist für den Fluss von Prana, Gravitation, Levitation und Elektromagnetismus. Die furchtlose Anwendung von yogischen Techniken enthüllt den Sinn des Lebens –  um als Kanal für Universelles Bewusstsein zu leben und zum “Wissenden des Einen”zu werden. Der Sinn des Lebens ist zu leben. 

Mai 2015 —David Life

Copyright Deutsche Übersetzung: Jivamukti Berlin GmbH. Der Englische Originaltext findet sich hier: http://jivamuktiyoga.com/teachings/focus-of-the-month/p/what-meaning-life

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team