FOKUS DES MONATS SEPTEMBER 2013: Asana und Bhakti – was hat Liebe damit zu tun?

by Sharon Gannon |
September, 2013

sarva-bhutastham atmanam

sarva-bhutani ca-atmani

iksate yogayukta-atma

sarvatra sama-darsanah

 

Durch die Yogapraxis sieht der Yogi das Göttliche Selbst in allen Lebewesen und Dingen.

 

Bhagavad Gita VI.29

Ich denke, wenn man sich das Yoga Sutra genau anschaut, wird man merken, dass Patanjalis Yoga Bhakti Yoga ist. Als direktesten Weg zur Erkenntnis Gottes schlägt Patanjali die Hingabe des selbst, Körpers, Atems, Herzens, Geists und der Seele an Gott vor. Sutra 23 des 1. Kapitels sagt „Isvara pranidhanad va”, was bedeutet „indem du dein Leben und deine Identität an Gott übergibst, erlangst du die Identität Gottes“.

Das Übergeben an Gott ist Bhakti, der Weg der Hingabe. Patanjali gibt uns mit diesem Leitsatz den direktesten Weg zu Yoga  – zu Samadhi, zum Erlangen ewiger Glückseligkeit. Wir könnten es den Ein-Schritt-Weg nennen. Wenn man alles unbefangen Gott überlassen kann, lässt man sein kleines, konditioniertes Selbst mit all seinen negativen Emotionen, Frustrationen, Traurigkeiten und Enttäuschungen zurück und wird ein Instrument für Gottes Willen. Das wird in dem Gebet  „Mach mich zum Instrument deines Willens, nicht mein, sondern dein Wille geschehe, befreie mich von Wut, Eifersucht und Angst und erfülle mein Herz mit Freude und Mitgefühl“ ausgedrückt. Die Natur Gottes ist bedingungslose Liebe.

Aber warum fällt es unsso schwer, uns dieser bedingungslosen Liebe hinzugeben? Avidya ist der Grund unseres Widerstandes. Avidya bedeutet Unwissenheit darüber, wer wir wirklich sind. Statt dass wir uns unserer wahren Natur von ewiger Freude besinnen, halten wir an unserer falsch verstandenen Identität fest, die sich um unseren Körper, unsere Emotionen und Gedanken dreht, sowie um ungeklärte Probleme mit anderen, frustrierten Ehrgeiz, Beschwerden und Anschuldigungen, die unserem sterblichen Körpern innewohnen. Unsere Körper sind Speicher für ungelöstes Karma – all die offen stehenden Probleme mit anderen – alle Belange unseres kleinen Selbst machen unser individuelles Selbst (jiva) aus, während unser wahres Selbst (Atman) ewig ist, erfüllt von Glückseligkeit – frei von allem Leiden.

Alle großartigen Lebewesen haben irgendwann erkannt, dass nur durch Hingabe zur Liebe etwas wirklich und dauerhaft Wichtiges erreicht werden kann. Das erinnert mich an die inspirierenden Worte von Dr. Martin Luther King Jr.: „Ich habe mich für die Liebe entschieden. Hass ist mir eine zu schwere Bürde.“ Es ist schwer, Liebe für Gott zu empfinden, wenn man erfüllt ist von Hass, Wut, Enttäuschung und Anschuldigung gegenüber anderen. Unser negatives Karma ist verflochten mit unseren Beziehungen. Zum Beispiel werden wir wütend auf jemand anderen, und diese Wut hält uns davon ab, Glückseligkeit, Freude oder Liebe zu erfahren. Wenn wir unsere Beziehungen mit anderen in der materiellen Welt nicht bereinigen können, haben wir keine Chance, Glück zu erfahren und sicherlich keine Chance, uns mit Gott zu verbinden. Aber wie lassen wir unseren Hass und all die anderen negativen Emotionen, die unsere Seelen behaften, los, so dass wir uns der Liebe, Gott, hingeben können?

Kürzlich fragte mich jemand, ob Asanapraxis Bhaktipraxis sein könne. Asanapraxis muss Bhaktipraxis sein. Sie muss mit Liebe und Hingabe an Gott geübt werden, um das endgültige Ziel zu erreichen. Das letztendliche Ziel der Asanapraxis ist die Reinigung des Körpers, die Bereinigung von negativem Karma, so dass man sich öffnen kann für die Liebe, die Gott ist. Man kann nicht Gott lieben und seine Schöpfung hassen. Wenn wir alle Lebewesen und Dinge lieben können, wird sich der Schleier der Unwissenheit heben, und wir werden in der Lage sein, die Wahrheit klar sehen zu können – Gottes Allgegenwart. Wenn wir Negatives loslassen, können wir uns von Gott lieben lassen.

Jede Asana steht mit einem Chakra und bestimmten karmischen Beziehungen in Verbindung. Asanapraxis kann eine magische Praxis sein, die die Wahrnehmung von uns selbst und anderen verändern kann. Indem man Asanas übt, kann man das negative Karma, das mit den Beziehungen verstrickt ist, lösen. In dieser Hinsicht sind Asanas eine ganz genaue Wissenschaft: stehende Asanas geben uns Gelegenheit, unseren Körper zu reinigen, indem wir unsere Probleme mit unseren Eltern, mit unserem Zuhause und mit Geld lösen, Vorwärtsbeugen mit romantischen, sexuellen und kreativen Partnern, Drehhaltungen mit denen, die wir verletzt haben, Rückbeugen mit denen, durch die wir uns verletzt fühlen, Schulterstandsequenzen mit der Beziehung zu uns selbst, die Kleinkindhaltung mit unseren Lehrern, und Kopfstand gibt uns Zugang zum Sahasrara Chakra  und zu unserer Beziehung zu Gott. Wenn man Asanas übt, um seinen Körper von negativen Emotionen in Verbindung mit Beziehungen zu bereinigen, und um seine Seele von der Last der Unwissenheit zu befreien, erhält man Zugang zu wahrer Liebe und Glückseligkeit. Wenn du Asanas übst, denke an diejenigen, mit denen du ungeklärte Probleme hast und schicke ihnen Liebe. Durch regelmäßige Asanapraxis wird diese Liebe immer aufrichtiger. Liebe ist die einzige Kraft, die stark genug ist, um negative Gefühle zu überwinden. Nur durch liebevolles Handeln kommen wir zur Erkenntnis von Liebe – dem Ziel von Bhakti Yoga. Übe Asanas, so dass du Gott mehr lieben kannst. Kein größeres Ziel ist in diesem Leben anzustreben.

– Sharon Gannon

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH

Englische Originalversion hier: http://www.jivamuktiyoga.com/teachings/focus-of-the-month/p/asana-and-bhakti-what-does-love-have-do-it

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team