FOKUS DES MONATS SEPTEMBER 2014: DIE MAGIE DES KOCHENS

by Sharon Gannon |
September, 2014

Brahmarpanam Brahma-Havir / Brahmagnau Brahmana Hutam /

Brahmaiva Tena Gantavyam /Brahma-Karma-Samadhina

Sieh Gott überall: Gott ist die Schöpfkelle, Gott ist auch das Essen, Gott ist das Feuer, Gott ist der Zubereiter und Gott ist der Esser. Gott ist der Grund, warum wir essen und Gott ist das Ziel, das wir erreichen wollen.”

Bhagavad Gita 4.24

 

Ich fragte meinen ersten spirituellen Lehrer, den Alchemisten Randy Hall:

„Wie werde ich erleuchtet?” und er sagte, „Zuerst lerne zu kochen, zu putzen und Gartenarbeit zu machen.“ Ich war überrascht über seine Antwort; sie hat mich enttäuscht und zu jener Zeit konnte ich seinen Rat nicht ernst nehmen, da er mir nicht spirituell genug erschien. Kochen? Ich war ein ungeduldiges dünnes Mädchen, das keinen Spaß am Essen hatte und versuchte, so wenig wie möglich zu essen, um letztlich von Luft zu leben. Wie stellte er sich das vor, mich zum Kochen zu bringen? Wo war der Sinn? Genauso dachte ich über Putzen und Gartenarbeit.

Über die Jahre hinweg habe ich aber die überragende Weisheit dieses Ratschlages zu schätzen gelernt. Essen zuzubereiten ist ein magischer Akt, ein wirkungsvoller alchemistischer Prozess, durch welchen die eine Form in eine andere verwandelt wird: unterschiedliche Zutaten werden kombiniert und den Elementen Wasser, Feuer und Luft ausgesetzt; dies geschieht in genau den richtigen Proportionen und in der richtigen Zeit und mit dem dazugehörigen Zauber – bestehend aus guten Absichten, ohne Lästereien und Gerede in der Küche – um ein schmackhaftes Essen, welches den Körper und die Seele befriedigt, entstehen zu lassen. Ein Kochbuch ist ein Buch mit Formeln für diesen magischen Prozess, voll mit Anweisungen und Rat, welche, wenn mit freudigem Herzen und einer Prise Abenteuerlust versehen, sich als die herrlichsten kulinarischen Erfahrungen am Esstisch herausstellen können. Essen, welches auf diese Art zubereitet wird, kann sogar zu einer Veränderung der Wahrnehmung der eigenen Person und anderer führen, und Hoffnung und Mut für das Leben geben.

Um diese Magie höchst wirkungsvoll werden zu lassen, ist maßgeblich, dass wir uns bewusst werden, was wir essen und wie wir es zubereiten. Wenn wir Fleisch, Eier und Milchprodukte essen, folgen wir Konditionierungen der Gesellschaft, welche uns von unserer natürlichen Intelligenz im Austausch für die Geldgier der Tierindustrie abgetrennt hat, wir zerstören die Gesundheit unserer Körper und unserer Umwelt und wir unterstützen eine angsteinflößende Versklavung der Tiere, welche irgendwann unweigerlich zu uns zurückkommt. Wenn wir uns für eine vegane Lebensweise entscheiden, bringen wir hingegen Freundlichkeit in unser Leben – Freundlichkeit in unsere Körper und in unsere Beziehungen mit anderen. Yoga lehrt, dass wir, was auch immer wir im Leben haben wollen, auch haben können, wenn wir gewillt sind, es anderen zu geben. Wenn wir frei sein wollen, dann kann die Beraubung anderer um ihre Freiheit und die Verwendung so vieler Ressourcen, dass andere verarmt zurückbleiben, uns diesem Ziel nicht näher bringen. Freundliche Entscheidungen in Bezug auf das Essen sind der einfachste Weg unser eigenes Glück und unsere Freiheit zu sichern. 

Unsere Launen beim Kochen sind auch wichtig für das Ergebnis. Wenn wir schlecht gelaunt sind, bleiben wir besser weg von der Küche. Um die höchste Intention zu fassen und Negativität verschwinden zu lassen, können wir beten oder ein Mantra singen, bevor wir anfangen zu kochen, während wir kochen und bevor wir essen. Mit dem Beten setzen wir eine höhere Intention um die göttlichen Kräfte zur Hilfe für ein gutes und selbstloses Ende herbeizurufen. Wenn wir den Prozess des Kochens angehen und dann den des Essens dessen, was wir gekocht haben, stellen wir sicher, dass unser Verstand und Herz in einer guten Stimmung vereint sind. Dies reinigt die ganze Erfahrung und wir verbannen Gifte, sowohl unterbewusste (wie Wut und Ungeduld) als auch offensichtlichere (wie Schmutz und Keime) aus der Küche. Sieh die Küche als Gottes Wohnstätte, als heiligen Platz, als Tor zur Erleuchtung. Die Küche ist ein Tempel, und alle Töpfe, Pfannen, Gewürze, Samen, Früchte und Gemüse, genauso wie Herd, Löffel, Messer, Schalen und Teller, sind göttliche Objekte, voll von Bewusstsein, warten nur darauf, Teil des göttlichen alchemistischen Prozesses der Essenszubereitung zu werden. Erlaube dem Feuer deiner Seele, Teil des hitzigen Elements des Kochens zu werden.

Das Mutigste, was jeder von uns zur Zeit tun kann, ist sich zu trauen, sich um andere zu kümmern – andere Tiere, die Erde, und alle Geschöpfe. Andere in den Mittelpunkt zu stellen, mehr als uns selbst, ist der erste Schritt zum Glück. Vegane Zutaten beim Kochen zu benutzten und diese mit einer klaren Intention selbst zu kochen, wird nicht nur schmackhaftes Essen zaubern, sondern wird auch dir ein friedvolles, glückliches Leben mit allen Lebensformen bescheren.

—Sharon Gannon, Auszug aus dem Buch: „Simple Recipes for Joy“, September 2014; der englischeText findet sich unter http://jivamuktiyoga.com/teachings/focus-of-the-month/p/magic-of-cooking

Copyright Deutsche Übersetzung: Jivamukti Yoga Berlin

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team