Jivamukti Yoga Fokus des Monats Dezember 2012: Satsang

by Sharon Gannon |
December, 2012
Satsang

Satsang

 

Sat-sangatve nissangatvam nissangatve nirmohatvam Nirmohatve nishchala-tattvam nishchala-tattve jivanmuktih Bhaja govindam bhaja govindam bhaja govindam mudha-mate -Shri Adi Shankaracharya from Carpata-Panjarika 

 

“Gute und tugendhafte Gesellschaft unterstützt uns auf dem Weg zur Nichtanhaftung (Unabhängigkeit). Aus Nichtanhaftung entsteht Freiheit von Selbsttäuschung. Wenn man frei ist von Selbsttäuschung, spürt man die unveränderliche Realität. Wenn man die unveränderliche Realität erfährt, erreicht man die Befreiung in diesem Leben. ICH BIN ist der Ozean dieses Bewusstseins. Wer dies begreift, fühlt. ‚Ich bin weder Körper noch Geist, obwohl ich einen Körper und einen Geist habe.’ Erkenne Govinda, erkenne Govinda, erkenne Govinda in Deinem eigenen Herzen, oh Du Weiser!”

 

Dies ist die begeisterte Übersetzung nebst Kommentar von Shri Brahmananda Sarasvati von einem Vers eines längeren Gedichts von Shankaracharya.

 

Dieser Vers ist auf vielen Ebenen inspirierend: Er gibt uns zu verstehen, dass wir durch eine gute Gesellschaft – indem wir uns anderen anschließen, die daran glauben, dass ein Erwachen möglich ist – unser eigenes Erwachen möglich wird. Wenn du dich mit anderen zusammentust, die nach Erleuchtung streben, wird dein eigener Fortschritt in Richtung dieses Ziels nicht nur gefördert, sondern gewissermaßen sogar garantiert. Du kannst als befreite Seele leben – als jivanmukta. Ja, Erleuchtung in diesem Leben ist eine konkrete Möglichkeit für dich! Gott wohnt in deinem Herzen in Form deines eigenen Selbst – also lass dein Herz singen! Bhaja bedeutet zu singen und die Geschichten von Gott zu erzählen, und wenn du das tust, dann bist du in der Lage, in dein eigenes Herz einzutreten und deinem Geliebten näher zu kommen. Dieses Abenteuer ist nur etwas für Weise, nicht für solche, die getäuscht sind und ihren Körper und Geist noch als getrennt von kosmischer unveränderlicher Realität – dem göttlichen Körper – begreifen.

 

In guter Gesellschaft zu sein, also Satsang, kann man auch als Form des Praktizierens von Shaucha betrachten, eines der Niyamas, die uns Patanjali als Übung gibt, die helfen können, das Aufkeimen von Erleuchtung bzw. von Yoga zu beschleunigen. Shaucha bedeutet Reinheit. Sich selbst und seine Umgebung rein zu halten, ist ein Weg, Shaucha zu praktizieren. Aber Shaucha bedeutet mehr als nur körperliche Reinlichkeit. Es bedeutet auch Reinheit des Geistes. Für einen Yogi/ Yogini ist der einzige echte Dreck der Dreck von avidya, also das Ignorieren des wahren Selbst. Wenn du ignorant bist, bist du getäuscht und hältst fälschlicherweise deinen aktuellen, dir nur zeitlich begrenzt zur Verfügung stehenden Körper und Geist für das, was du bist. Ignoranz und Täuschung (avidya) versperrt es dir, dein göttliches Selbst zu erkennen, und so ist es dir auch nicht möglich, das Göttliche in anderen zu erkennen.

 

Einer der besten Wege, seinen Geist rein zu halten, ist achtsam zu sein, wem, was bzw. welchen Situationen du deinen Geist aussetzt. Der Geist ist wie ein klarer Kristall. Ein Kristall wird die Farben annehmen, von allem was auch immer nah ist – es wird die ihn umgebende Umwelt reflektieren. Gleichermaßen ist dein Geist gefärbt von dem, wem und was du ihn aussetzt. Wenn du mit Kriminellen herumhängst, wirst du recht wahrscheinlich auch kriminell und im Gefängnis landen. Aber es kann auf viel subtileren Wegen passieren als so. Zum Beispiel, wenn du Fernsehen oder Filme schaust, oder Zeitschriften oder Bücher liest, die einen störenden Inhalt haben, z.B. Gewalt und/oder überflüssigen Sex, werden dein Geist und deine Gedanken verdorben von diesen Bildern und dein Leben wird daraufhin negativ beeinflusst. Aber wenn du dich stattdessen vertiefst, inspirierende Bücher zu lesen oder Filme zu schauen, die inspirieren, bilden und erheben, wirst du beginnen, deinen Geist zu reinigen. Bewusst deine Art zu reden zu reinigen, wird sich auch positiv auf den Inhalt deines Geistes auswirken. Den gleichen positiven Effekt der Reinigung deines Geists hat es, wenn du von Schimpfwörtern (z.B. von Wörtern, die Gott, Körperfunktionen oder Sex beschimpfen) Abstand nimmst, und auch von Tratsch und von verletzenden Wörtern, die mehr dazu führen, Menschen auseinander zubringen, als sie zu vereinen.

 

Sat bedeutet “Wahrheit” und anga bedeutet “Anhaftung”, also bedeutet das Wort Satsang, “der Wahrheit zugetan zu sein” (satsanga ist das buddhistsiche Äquivalent). Traditionell bedeutet Satsang, Umgang mit Erleuchteten zu pflegen, Zeit mit deinem Guru oder einem Heiligen zu verbringen oder eine Pilgerfahrt zu einem heiligen Ort, wo ein Heiliger gelebt oder gelehrt hat, zu machen. Natürlich ist es nicht immer möglich 24/7 mit einem Heiligen zu leben, deswegen umfasst die Satsang-Praxis, dein Bestes zu tun, das meiste aus deiner Zeit zu machen. Das heißt nicht, dass du sofort deinen Job kündigen, von deiner Familie weg ziehen oder dich von deinem Mann oder deiner Frau scheiden lassen musst, weil sie keine Yogis sind. Was es bedeutet ist, wenn du die Wahl hast, wie du deine freie Zeit gestaltest, dass du sie vorzugsweise mit verwandten Seelen verbringst. Du gehst z.B. jeden Tag nach der Arbeit zur Yogaklasse, du gehst zu Abendmeditationsklassen oder du schließt dich einer Kirtangruppe an und singst die Namen Gottes, oder du nimmst an einer wöchentlichen Lesung über die Bhagavad Gita teil, oder du schreibst dich in Sanskritkurse ein oder machst eine spirituelles Wochenendretreat. Satsang kann auch subtilere Formen annehmen, wie sich mit inspirierenden Büchern zu umgeben und die Yoga Sutren, die Hatha Yoga Pradipika, Biographien von Heiligen oder Yogis oder mystische Poesie zu lesen. Du kannst auch deinen eigenen Satsang starten, indem du Leute zu dir nachhause einlädst, um einmal in der Woche Meditation zu praktizieren. Oder du kannst eine Studiengruppe gründen, um ein Buch, das dich inspiriert hat, gemeinsam zu diskutieren.

 

Sei vor allem achtsam, dass du nicht in die “Ich bin heiliger als du” – Falle gerätst und also nicht Satsang dazu instrumentalisiert, dich von anderen zu separieren, um andere als unbewusste, ignorante, schlechte oder unheilige Leute zu kritisieren oder zu verurteilen. Denke immer daran, dass das Ziel von Satsang es ist, deinen Geist zu stärken und zu erweitern, so dass du schließlich in der Lage sein wirst, die Göttlichkeit in allen Wesen zu sehen und wahrzunehmen und du dich somit in allen Situationen wohl zu fühlen und somit selbst der leuchtende Kristall zu werden, der das Licht der Liebe ausstrahlt, Oh Du Weiser!

 

– Sharon Gannon

 

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH; englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/teachings/focus-of-the-month/p/satsang

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team