Jivamukti Yoga Fokus des Monats Februar 2011 – Das schützende Dach

by Sharon Gannon |
February, 2011

adveshta sarvabhutanam maitrah karuna eva ca..sa me priyah (BG XII.12-13)

” Der, wer freundlich und mitfühlend gegenüber allen Geschöpfen ist, ist mir teuer.”

 

In nicht allzu ferner Vergangenheit gab es eine Zeit, in der die Urwälder mit bis zu tausendjährigen Bäumen ein Schutzdach mit ihren oberen Ästen und Blättern bildeten, das den Waldboden vor Schneefall schützte.

Natürlich schmolz, besonders im Frühling, der Schnee, der von den oberen Zweigen gehalten wurde, wenn am Morgen die Sonne schien. Und der Waldboden empfing diese Feuchtigkeit auf sanfte Weise.

 

Kannst du dir vorstellen, wie es damals für die Tiere gewesen sein musste, die in diesen Wäldern zuhause waren? Zum Beispiel hatten sie es viel trockener zu dieser Zeit. Die kleineren Tiere, die keinen Winterschlaf halten, wie Hasen, Mäuse und Eichhörnchen, hatten keine Schwierigkeiten am Morgen aufzuwachen und auf Futtersuche für sich und ihre Familien zu gehen. Heutzutage kann es für sie im tiefen Schnee schwierig sein, Futter zu finden. Mehr als 97 % der Urwälder Amerikas sind bereits abgeholzt. Und jeden Tag wird mehr geschlagen. Vielleicht wird dieses Land, das einst so reich an uralten Naturwäldern war, in ein paar Jahren keine mehr haben. Sogar im tropischen Regenwald Brasiliens mit all seinem Kahlschlag und der gegenwärtigen Zerstörung verfügt der Amazonas immer noch über 75% seiner Urwälder, sie werden dort Dschungel genannt. In den USA existieren nur noch knapp 3% davon.

 

Wenn wir hier in Woodstock, im Staat New York, aus dem Fenster sehen, sehen wir Berge. Im Catskills Gebirge gibt es keine alten Bäume mehr. Das Gebirge hat sie schon vor 50 bis 100 Jahren an Gerber, Holzfäller und Bauern verloren. Im Winter sehen die Berghänge aus wie ein Mann, der sich mehrere Tage nicht rasiert hat: Stoppelig. Sie sind so kahl, dass man den Waldboden sehen kann, da die Bäume so ausgedünnt sind, dass sie nicht viel verdecken können. Dennoch bin ich dankbar für die Bäume, die hier noch wachsen: Hemlocktannen, Pinien und Eichen. Es ist wunderbar, durch diese Wälder zu spazieren. Doch sind es alles sehr junge Bäume, und wenn es regnet oder schneit, wird der Waldboden davon bedeckt, und starke Winde peitschen durch die Korridore aus Bäumen und nehmen so manchmal einige Bäume mit. Würden die Bäume dichter wachsen, wären sie geschützter vor dem Wind.

 

Als ich vor mehreren Jahren von New York City hierher zog, sah ich Pferde, die draußen in der Kälte, in Regen, Wind und Schnee standen, ohne Unterstand. Ich wunderte mich darüber und war bestürzt. Die Einheimischen versicherten mir: “Das sind Tiere, die sind das gewöhnt, schau dir nur die Rehe an.” Ich sah die wilden Rehe und wusste, dass sie zumindest in den Wald gehen konnten, um Schutz vor den Naturgewalten zu suchen. Doch nun erkenne ich, dass der Wald nicht mehr ist, was er war und dass er den Wildtieren nicht mehr denselben Schutz wie früher bietet. Wahrscheinlich leiden die Rehe im Winter große Not und sind sehr dankbar für wohltätige Spenden von Menschen. Mir scheint es, als seien wir diesen Naturvölkern etwas schuldig. Jahr um Jahr dringen wir weiter in ihre Lebensräume ein.

 

Wir haben für die Rehe, die unseren Garten durchqueren, ein Haus aus zu Boden gefallenen Ästen gebaut. Es sieht aus wie ein strohgedeckter Pavillion. Sie scheinen es sowohl im Winter als auch im Sommer zu schätzen. Wir können sie von unserem Fenster aus darin schlafen sehen. Während der Frühlings- und Sommermonate fühlen sich einige von ihnen sicher genug, ihre Babys unter diesem von Menschenhand gebauten Dach zur Welt zu bringen.

 

Natürlich sind Rehe noch immer nicht sicher vor Jägern. Die Bäume stehen so licht, dass es für die Jäger ein Leichtes ist, im Catskills Gebirge Wild auszumachen; ich denke das war nicht immer so. Wir Menschen haben vielen Tieren ihre einst so üppige Waldheimat genommen und sie gezwungen, so gut es geht zu überleben. Einige haben das nicht geschafft. Im pazifischen Nordwesten sind der Fleckenkauz und der Lachs so gut wie ausgestorben. Sie brauchten die dichten Urwälder als Lebensraum, in einem jungen Wald konnten sie nicht überleben.

 

Mir ist bewusst, dass es für viele Leute, die nicht viel Zeit auf dem Land verbracht haben, so aussieht, als hätten wir hier viele Bäume, aber es geht um den Vergleich dazu, wie es aussehen würde, wenn die Bäume, die einst hier standen, oder zumindest einige davon, immer noch da wären. Man sagt mir, ich würde auf dem Land leben, aber weil ich weiß, wie es  aussehen könnte, wenn ich aus meinem Fenster auf die Wälder der Catskills sehe, kommt es mir beinahe vorstädtisch vor.

 

Die meisten Menschen leben in Städten. Viele Wildtiere, wie Eichhörnchen, Füchse, Tauben und andere Vögel sowie verwilderte Hauskatzen leben nun auch in den Städten und versuchen, Nahrung und Unterschlupf zwischen all den geschäftigen Menschen zu finden. Für uns ist es leicht, sie zu ignorieren und davon auszugehen, dass sie Wildtiere sind, die wissen wie man überlebt. Doch gerade während der kalten Wintermonate ist das Überleben für diese Mitgeschöpfe schwierig und sie wären dankbar für ein paar wohltätige Spenden von uns. Es gibt viele ganz einfache Möglichkeiten um zu helfen.

 

Zum Beispiel, die Wohnung oder das Haus immer mit einigen Nüssen und Samen in der Tasche zu verlassen, für die Vögel und Eichhörnchen, die dir auf deinem Weg zur Arbeit begegnen könnten. Oder sich um eine Gruppe verwilderter Hauskatzen zu kümmern, indem man sie einfängt und sie zur medizinischen Versorgung und Kastration zum Tierarzt bringt, und sie danach zurück in ihre Gemeinschaft bringen. Diese Katzengemeinschaften auch danach weiterhin unterstützen, indem man ihnen nahrhaftes Futter und Unterkunft in Form von strohgepolsterten Kisten zur Verfügung stellt.

 

Wenn wir unsere Güte auf die Bedürfnisse Anderer ausweiten können, einschließlich anderer Tiere, stellen wir unseren eigenen Wohlstand sicher, da unsere Taten irgendwann aber unvermeidlich auf uns zurückfallen.

 

– Sharon Gannon

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (JYB-Lehrer Claudia Lichtenwald); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp )

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team