Jivamukti Yoga Fokus des Monats Februar 2012: Comfort in the City.

by Sharon Gannon |
February, 2011

Behaglichkeit in der Stadt

sthira sukham asanam – PYS II.46 

Die Verbindung zur Erde sollte beständig und freudvoll sein

 

Verbindung lässt auf eine Beziehung schließen; Erde beinhaltet alle Erscheinungsformen-alle anderen Lebewesen und Dinge; beständig bedeutet gleichbleibend, stetig; und wo Freude ist, ist ein Gefühl von Leichtigkeit und Behaglichkeit. Die meisten Leute fühlen sich nicht wohl, weder in ihrem Körper, mit ihren Gefühlen, mit ihrer Arbeit, in ihren Beziehungen oder mit den anderen Leuten und den Situationen, denen sie täglich begegnen. Die Ursache für diese Unbehaglichkeit liegt darin, wie unbehaglich wir das Leben anderer machen. Weil wir uns alle lieber behaglicher fühlen wollen, entspannter mit uns selbst und anderen sein wollen, könnte es hilfreich sein, nach praktischen Möglichkeiten zu suchen, um mehr Behaglichkeit in das Leben anderer zu bringen und im Gegenzug davon für unser eigenes Leben zu profitieren.

Für den Yogi bedeutet Behaglichkeit nicht, nach Vergnügen zu suchen und Schmerzen zu vermeiden. Was immer wir für uns selbst möchten, können wir haben, wenn wir bereit sind, es zuerst für andere zu beschaffen. Wir können kein dauerhaftes Glück für uns selbst empfinden, wenn wir anderen Glück entziehen, es ihnen vorenthalten. Also sollten wir, wenn wir uns selbst behaglich fühlen wollen, alles dafür tun, dass andere sich behaglich fühlen. Wenn wir die Hand ausstrecken, um anderen Behaglichkeit zu bringen, werden wir die universal geteilte Quelle von fortwährender/bleibender Behaglichkeit entdecken und die Illusion auslöschen, dass kurzsichtiges, selbstsüchtiges Vergnügen zu bleibender  Behaglichkeit für uns und andere führen kann.

 

Oftmals, wenn wir Freude erleben, ist diese nur flüchtig. Denn anstatt den freudigen Moment als solchen zu genießen, machen wir uns schon gleich wieder Gedanken darüber, wann er vorbei sein wird.  Wenn wir uns in einer schmerzhaften Situation befinden, versuchen wir, aus dieser herauszukommen. Aber Behaglichkeit ist zugänglich für jeden, zu jeder Zeit- sie kann inmitten von Vergnügen oder Schmerz gefunden werden- wenn jemand bereit ist, einen tiefen Blick in die Dinge zu wagen. Das yogische Konzept von Behaglichkeit besteht darin, dass Leichtigkeit/Entspanntheit ein innerer Zustand ist, unangetastet von äußeren Umständen. Wir könnten den Zustand auch Behaglichkeit zum Mitnehmen nennen- weil man sie überall hin mitnehmen kann! Ein bekanntes Beispiel ist der Yogi, der auf einem Bett aus Nägeln liegt- in äußerster Behaglichkeit. Wie macht er das? Was ist der Trick?  Es gibt keinen Trick, solange man nicht Magie einen Trick nennt. Aber Magie ist nur ein Wechsel in der Sichtweise/ Wahrnehmung. Yogaübungen sind magischen Übungen, die dafür bestimmt sind, einem dabei zu helfen, dass man die Wahrnehmung/Sichtweisen von sich und anderen verändern kann. Zu jeder Zeit und unter jeden Umständen und in jeder Situation. Der erleuchtete Yogi sieht die Welt nicht „auf ihn zukommend“ und er sieht sich niemals als ein Opfer der Umstände oder als von anderen zum Opfer gemacht. Ein erleuchteter Yogi  fühlt sich mit allen behaglich, in jeder Situation und unter allen Umständen. Damit wir damit anfangen können uns diese Fähigkeiten zu erarbeiten ist der erste erforderliche Schritt, Mitgefühl zu entwickeln. Denn mit Sicherheit ist der beste Weg, unser eigenes Leben zu verbessern, alles dafür zu tun, das Leben anderer zu verbessern. Die Yogapraxis versorgt uns mit praktischen Möglichkeiten, unsere Wahrnehmung zu erweitern, damit wir versuchen können, die Welt durch die Augen anderer zu sehen, die Erde mit ihren Krallen, Hufen oder Wurzeln zu berühren, und zu verstehen, wie wir durch einfache, menschliche Handlungen, eine behaglichere Stadt für uns und andere schaffen.

 

Ich habe seit 1983 in New York´s lower East side Nähe Tompkins Square Park gelebt. Ich erinnere mich noch gut daran, dass New York City, als ich aus Seattle hierher gezogen bin, für mich nicht das war, was ich mir vorgestellt hatte. Ich denke meine Vorstellungen sind durch Filme wie „Frühstück bei Tiffany´s“ beeinflusst gewesen. Deshalb war es eine große Überraschung für mich, als ich eines Tages nach Hause lief, einen Polizisten auf einem Pferd die Avenue B heruntergallopieren zu sehen, welche zu dieser Zeit eine Schotterstraße war. Der Polizist war in heißer Verfolgungsjagd hinter jemandem her, der dann in den Park abbog und in dem Zelt- und Pappkartondorf, welches damals den größten Teil der Grünfläche einnahm, verschwand. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann es genau passierte, aber irgendwann, während der 1980ies sind im Park Krawalle ausgebrochen, was dazu führte, dass die Stadtverwaltung alle provisorischen Häuser beseitigte und den Park schloss. Eines Tages stoppte mich eine Filmcrew, als ich aus dem Haus kam, um mich zu interviewen. „ Wie finden Sie dass, was der Bürgermeister gemacht hat-den Park geschlossen? Sind Sie wütend darüber, dass Ihnen als Einwohnerin dieser Stadt der einzige Zugang zur Natur versagt wird?“ Meine Antwort war nicht die, die sie erwartet hatten. Ich sagte „Ich bin froh, dass der Park geschlossen worden ist. Sehen Sie: Jeder kann sehen, dass der Park glücklicher ist- die Bäume sind voller und sehen entspannter aus und Sie können darauf wetten, dass die Vögel und Eichhörnchen erleichtert sind, dass sie nicht mehr mit uns allen Tag aus und Tag ein rechnen müssen. Ich denke es sollte Plätze geben in Ballungsgebieten wie New York City, zu denen Menschen keinen Zutritt haben und die als „wilde“ Plätze für unsere Mitbewohner in der Stadt- die vielen Vögel und kleinen Säugetiere, natürlich die Bäume; Büsche und Blumengewächse, frei gehalten werden“.

Wir leinen unsere Hunde an, halten Vögel im Käfig, vergiften Füchse und erschießen Bären in New Jersey – woran liegt es, dass wir menschlichen Wesen immer denken, dass nur wir das Recht haben, uns frei zu bewegen? Wir machen das Leben sehr ungemütlich und traurig für all die Affen, Ratten und Katzen in Laboren  und all die Kühe, Ziegen, Hühner und Schweine auf den Farmen. Wir rationalisieren unsere Ausbeutung und unsere Grausamkeit gegenüber den Tieren als notwendiges Übel, als der schreckliche Preis, der gezahlt werden muss, um die menschliche Gesundheit, Freude und Gemütlichkeit zu sichern. Und darüberhinaus beschweren wir uns weiterhin egoistisch darüber, nicht reich, glücklich und komfortabel genug zu sein.

Vielleicht sollten wir damit anfangen, Verantwortung zu übernehmen für das Leid um uns herum, um zu sehen, dass wir die Stärke haben, mehr Freude, Glück und Gemütlichkeit  für uns und andere in die Welt zu bringen. In welchen Umständen auch immer wir leben, das Geheimnis zu unserem eigenen Wohlbefinden ist es, freundlich zu anderen zu sein und alles zu machen, was wir können, damit sie sich wohler fühlen; dann ist unsere eigenes Wohlbefinden gesichert.

 

— Sharon Gannon

 

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (Jasmin Gniosdorz); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp 

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team