Jivamukti Yoga Fokus des Monats Juni 2012: Sich mit Mantren wohl fühlen

by Sharon Gannon |
June, 2011

“Die Essenz von Yoga ist es, mit seinem Körper im Reinen, friedlich im Verstand und im Leben nützlich zu sein.” — Swami Satchidananda

 

Wenn wir einen spirituell weiterentwickelten Yogi treffen, fällt uns auf, wie ruhig er ist, wie wohl er sich fühlt in seinem Körper und in jeglicher Situation, in der er sich wiederfindet. Er ist immer ruhig und zufrieden. Ein Yogi fühlt sich wohl in seinem Körper und seinem Geist, weil er sich nicht mit seinem derzeitigen Körper oder Geist identifiziert; stattdessen identifiziert er sich mit der ewigen Existenz, mit dem, was über die Grenzen von Zeit reicht, was die Liebe selbst ist, grenzenlose ewige Freude. Wie gelangt ein Yogi zu diesem Zustand?

 

Yogische Praktiken wie Meditation, Mantra und Asanas helfen uns, gelassen mit den Aufs und Abs des Lebens umzugehen. Wenn wir Asanas üben oder sitzen und meditieren, lassen wir alle Gedanken, Gefühle und Empfindungen aufkommen und dann lassen wir sie gehen; und wir ersetzen diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen mit dem internen Singen oder Rezitieren (“chanten”) eines Mantras. Durch diese Praxis werden wir im Laufe der Zeit das Kommen und Gehen der relativen Existenz mit Leichtigkeit wahrnehmen. Gelassen zu bleiben in der temporären und flüchtigen Natur dieser Existenz, ist ein Zeichen von jemandem, der spirituell weit entwickelt ist. Das Singen von Mantren während wir meditieren und  Asanas praktizieren sowie in “Alltags-” Situationen hilft uns, unser Bewusstsein von einem Gefühl der Enge zu einem Ort der Weite zu verlagern.

 

Das kann wie Magie wirken. Magie ist, wenn sich unsere Wahrnehmung von etwas verändert, sie sich verschiebt. Wir sehen etwas auf eine Art und dann, wie von Zauberhand, ändert es seine Form und erscheint als etwas anderes, vielleicht radikal unterschiedlich zu dem, was wir zunächst dachten. Mantra kann unsere Wahrnehmung von der weltlichen zur himmlischen, erweiterten Realität führen. Zur wahren Realität, zu dem, was echt ist. Was wirklich real ist, ist ewig; unsere irdische relative Wirklichkeit ist nicht ewig, sie kommt und geht: An manchen Tagen sind wir glücklich, an anderen Tagen traurig; an manchen Tagen sind wir müde, an anderen Tagen sind wir es nicht. Unser Geisteszustand und unsere Gefühle schwanken, die Höhen und Tiefen kommen und gehen. Das Leben soll seine Höhen und Tiefen haben; das ist ja gerade die Natur der Natur, die Natur des Lebens. Sein wechselvolles Temperament sollte aber kein Problem für uns sein, sondern wir sollten gewillt sein, jeden Moment kommen und gehen zu lassen, und ihn dann auch wirklich kommen und gehen lassen. Allerdings sollten wir Wege finden, um uns nicht in der Mitte eines Ping-Pong Spiels, hin- und hergeworfen zwischen den Höhen und Tiefen des Lebens, wiederzufinden.

 

Patanjali sagt uns, dass unsere Vorlieben ein Hindernis sein können, unser Glück und den Zustand von Yoga zu erreichen. Er bezeichnet unsere Vorlieben als Raga und unsere Abneigungen als DveshaRaga bedeutet, wenn wir von etwas angezogen sind, Dinge und Situationen, die uns gefallen, und Dvesha ist, wenn wir von Dingen abgestossen werden, sie nicht mögen und wir uns durch sie unbehaglich fühlen. Also versuchen wir immer, dem auszuweichen, was wir nicht mögen, und halten uns an das, oder gehen dem nach, was uns gefällt. Und das kann sehr frustrierend sein, weil das Leben nicht immer perfekt ist. Das Wetter ändert sich, ein Unfall passiert, und du wirst dich verletzen, selbst die Person, in die du verliebt bist, wird dich enttäuschen und eines Tages etwas Verletzendes sagen. Was kannst du tun? Nun, viele Menschen, in der Tat die meisten normalen Menschen, entscheiden sich entweder für den Kampf oder die Flucht: Angreifen oder weglaufen, wenn sie sich aufregen in einer schwierigen Situation. Sie reagieren mit negativen Worten oder Gedanken, und flüchten, zu dem, was ihnen in dem Moment als die einfachste, schnellste und bequemste Lösung  zu sein scheint, um sich vor dem zu verbergen, was sie gerade als negativ wahrnehmen. Aber ganz ganz  häufig werden sie feststellen, dass diese bequeme und schnelle Lösung sie nicht für sehr lange befriedigt und schon bald werden sie unruhig und es ist ihnen unbequem. Dann sind sie wieder unterwegs auf der Suche nach Glück außerhalb von sich selbst. Dies funktioniert nicht, weil Frieden und Glück allein in uns selbst liegen. Sie außerhalb zu suchen, ohne zuerst in uns hinein zu schauen, wird sich auf lange Sicht immer als Enttäuschung erweisen. Das Rezitieren von Mantren ist eine Möglichkeit, uns zu einem Ort der uneingeschränkten Ruhe und Leichtigkeit zu führen, unabhängig von der externen Umgebung. Mantras weisen uns den Weg, einen unruhigen Geist zu beruhigen.

 

Eine einfache Möglichkeit zum Experimentieren mit der potenziellen Macht eines Mantras ist es, immer im Hintergrund ein Mantra zu singen oder zu rezitieren, wenn du dich in einer stressigen oder unangenehmen Situation befindest oder wenn jemand etwas unfreundliches zu dir sagt. Anstelle von Vergeltungsmaßnahmen, die du mit Wut durch Worte der Böswilligkeit oder Verurteilung zum Ausdruck bringst (oder denkst), versuche leise, Hare Krishna, Hare Rama oder einen anderen Heiligen Namen auszusprechen, oder nur die einfachen Worte “Lass…los”. 

 Auf diese Weise entfernst du dich vom Anschuldigen und bewegst dich hin zum Namen Gottes. Schuldgefühle und -zuweisungen und sein Cousin der Ärger machen uns zu Opfern, und Opfer sind nie zufrieden, friedlich oder glücklich. Beispielsweise wenn ein Freund oder eine Freundin etwas sagt oder tut, was dich verletzt: Statt zu explodieren, singe im Hintergrund dein Mantra, oder gehe auf einen Spaziergang, einen Lauf oder eine Fahrt mit dem Fahrrad und singe das Mantra. Es dauerte nicht lange, bis deine Atmung sich auf den Rhythmus des Mantras einstellt und deinen Geist beruhigt. Wenn du auf diese Weise deinen Geist beruhigt hast, kannst du klar denken und beginnen die, Möglichkeiten zu betrachten, um dieser Person zu helfen, die dich aufgeregt hat. Auf diese Weise wirst du anstelle benutzt zu werden selbst nützlich.

 

So wie Krishna Das singt: “Ja Gott ist real und ich habe endlich einen Weg gefunden, um in der Gegenwart des Herrn zu leben, und alles ist in seinem Namen … Rama Hare Rama Rama Rama Sita Ram Ram …, und es ist alles in seinem Namen.”

 

-Sharon Gannon

 

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (Miriam Iannone); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp 

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team