Jivamukti Yoga Fokus des Monats Mai 2011: Yogisches Detoxen

by David Life |
May, 2011

Ist Yoga eine effektive Detox-Methode? Das kann es sein. Aber es hängt davon ab, was wir genau entgiften wollen. Obwohl es eigentlich Sinn macht, dass die Yoga-Asanapraxis unseren physischen Körper entgiften können sollte, gibt es tatsächlich keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen. Indes ist das eigentliche Hauptgift für den Yogi Avidya: Die Sinnestäuschung über die wahre Natur des Selbst; die Identifikation mit unserem Körper, unseren Gedanken und Gefühlen, anstelle mit dem Absoluten, Göttlichen Selbst; der Glaube, dass es ein „Du“ gibt, das getrennt ist von den „Anderen“. Und die yogischen Praktiken können definitiv dieses Gift von uns entfernen helfen. Avidya ist der Grund für all unser Leiden: Es schafft erst all die emotionellen Gifte, wie Traurigkeit, Furcht, Zorn, Angstgefühle, etc. Demgegenüber können wir uns, indem wir uns mit dem größeren Selbst identifizieren, einen „super“ bzw. „engelhaften“ Körper schaffen, der unangreifbar ist für Schmerz, Krankheiten oder emotionale Probleme. Jeder der unter Avidya leidet, kann von einem Yoga-Detox profitieren.

 

Wie aber kann man mit Yoga detoxen? Hier sind einige der Methoden:

 

CHANTING. Chanten, also das wiederholen/singen von Mantren, zieht uns „heraus aus uns selbst“, heraus aus der Selbstbeschäftigung und –identifikation mit unseren ständig herumwirbelnden Gedanken. Negative Gedanken schaffen Toxine in unserem Körper. Und auch das Leid von anderen vergiftet die Atmosphäre um uns herum. Deshalb kann das Chanten von Mantren  (wie z.B. von „lokah samastah sukhino bhavantu“, welches eine Affirmation des Chanters ist, dass er nicht möchte, dass andere leiden) eine Atmosphäre schaffen, welche frei von Leid und Giften ist. Das ist eine sehr starke Medizin, welche sehr kraftvolle Entgiftungsprozesse einleiten kann. Sowohl für den, der das Mantra rezitiert, als auch für den, der den Segen des Mantras empfängt.

 

KRIYA. Yoga kennt eine Reihe von Kriyas genannten Reinigungspraktiken. Jede dieser Techniken ist dazu entwickelt, bestimmte Arten von Unreinheiten aus unseren physischen oder feinstofflichen Körpern zu entfernen. Zum Beispiel Kapalabhati: Kurze, scharfe Ausatemstöße verbunden mit passivem Einatmen. Es entfernt überschüssige Luft im Körper, hilft uns, unsere Anhaftung zum Einatmen zu beseitigen und stimuliert das Ajna (6.) Chakra – das Zentrum des dritten Auges. Eine weitere Kriya-Übung ist Agni Sara („Feuerwaschung“), welche das Feuerelement im Körper benutzt, um Unreinheiten und Verstopfungen in den feinstofflichen Energiekanälen des Körpers zu verbrennen.  Agni Sara übt man, indem man gerade steht, dann alle Luft ausatmet, sich vornüberbeugt und dann das Zwerchfall im Bauch hoch und herunter pumpt, ohne jedoch zu atmen.

 

MEDITATION. Unsere Gedanken sind nicht zwangsläufig Gift und das Ziel der Meditation oder der Yogapraxis insgesamt ist es auch nicht, unsere Gedanken  loszuwerden. Aber uns mit negativen Gedanken zu identifizieren, uns an diesen gar zu berauschen, sie größer werden und mehr und mehr neue Gedanken wachsen zu lassen, unser wahres Selbst zu verwechseln mit den Gedanken, die wir über uns selbst haben – das ist Gift! Während der Meditation beobachten wir, wie unsere Gedanken auftauchen. Und wir lassen sie dann weiterziehen. Wir tun das, indem wir ständig versuchen, zu dem Fokus unserer Meditation (z.B. dem Atem oder einem Mantra wie „LASS LOS“) zurückzukehren. Jedes Mal, wenn wir merken, dass wir nachdenken, jedes Mal, wenn wir merken, dass unser Geist versucht, wegzuwandern, kehren wir zu unserem Fokus zurück ohne, dass wir uns in die aufkommenden Gedanken verstricken lassen. Über die Zeit entwickelnd wir die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit auf das, was auch immer wir uns gerade aussuchen, so lange wir wollen zu fokussieren. Und dadurch identifizieren wir uns immer weniger mit unseren negativen Gedanken.

 

ASANA. Unsere Kultur beschränkt uns ins unserer physischen Präsenz in dieser Welt in der Regel auf eine kleine, allgemein akzeptierte Auswahl von Bewegungen und Körperstellungen. Die Yoga-Asanapraxis bringt aus über diese beschränkte Auswahl hinaus und führt uns in eine Welt völlig neuer Möglichkeiten, welche wir bisher weder kannten noch vermissten. Asanas heben unser Selbstbewusstsein an und zerstören das Gift des geringen Selbstwertgefühls. Asanas stimulieren außerdem auch das Hormonsystem und stärken unser Immunsystem, so dass wir weniger anfällig werden für physische Gifte, wie z.B. Umweltverschmutzung in der Luft, im Wasser und in unserem Essen.

 

Alle Asanas bringen diese Vorteile mit sich. Aber Drehungen sind besonders kraftvolle Entgiftungsübungen. Wenn wir uns drehen, üben wir Druck auf die inneren Organe aus. Und indem wir in einer Drehung atmen, können wir diesen Druck modifizieren. Es ist fast so, wie wenn man schmutziges Wasser aus einem Wischtuch auswringt. Festsitzende Rückstände im Körper können aus den Organen losgelöst werden. Und wenn wir ausatmen oder die Drehung loslassen, sind die Organe aufgefrischt und können besser ihren Job machen. Drehungen entgiften außerdem auch unseren feinstofflichen Körper indem sie Manipura Chakra (das 3. Chakra) aktivieren, welches sich am Solarplexus, der auch der Sitz unseres Ego ist, befindet. Indem wir unseren Oberkörper dort drehen, wo unser Ego sitzt, können wir uns dabei helfen, uns von unserer Selbst-Identifikation mit Macht oder Status zu befreien. Es ist übrigens interessant, dass jede Kategorie von Asanas auch eine gedrehte Variation kennt.

 

 

Yoga lehrt uns, dass wir uns unsere eigene Realität dadurch schaffen, wie wir die Dinge sehen. Unsere eigene Perspektive ist also der Schlüssel. Selbst wenn wir eine ernsthafte Krankheit erkennen, haben wir immer  noch die Wahl, uns als eine lebende Person zu sehen, anstatt als eine sterbende. Egal ob die Krankheit da ist. Unsere Perspektive kann eine giftige sein oder nicht. Und durch die Yogapraktiken können wir unsere Perspektive immer wieder ändern. Wir schauen uns die Dinge auf den Kopf gestellt an, oder mit der rechten Seite nach oben, von allen möglichen Blickwinkeln, indem wir normal atmen oder unseren Atem kontrollieren, usw. Diese Praktiken geben uns die Möglichkeit, das Leben von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten und geben uns so die Chance, all die Gifte auszumerzen, die uns plagen.

 

– David Life

 

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (JYB-Lehrer Anja Kühnel); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp ) 

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team