Jivamukti Yoga Fokus des Monats November 2010 – Asteya und Veganismus

by Sharon Gannon |
November, 2010

Asteya und Veganismus

 

asteya-pratishthayam sarva-ratnopasthanam (PYS II.37)

Wenn wir aufhören zu stehlen, wird sich (materieller, mentaler und spiritueller) Reichtum einstellen.

 

In den Yoga Sutren gibt Patanjali  uns fünf Ratschläge, auch Yamas genannt, wie wir andere behandeln sollen, damit wir Befreiung erreichen.

Das dritte Yama ist asteya, was soviel bedeutet wie „nicht stehlen”.

Shri Bramananda Sarasvati beschreibt Diebstahl als das nicht erlaubte Aneignen wertvoller Dinge anderer. Menschen stehlen, weil sie sich sozial benachteiligt oder „weniger wert als andere“ fühlen. Sie wollen ihre eigenen Defizite dadurch ausgleichen, dass sie anderen etwas wegnehmen. Wenn wir stehlen, setzen wir düstere karmische Konsequenzen in Bewegung, die unser zukünftiges Wohlbefinden negativ beeinflussen. Aber durch unsere Yogapraxis werden wir selbstbewusster und entwickeln ein Gefühl von Ganzheit und Vollkommenheit. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, etwas von anderen wegzunehmen, um uns gut zu fühlen.

Die Fleisch, Milch- und Modeindustrie ist auf Diebstahl begründet. Die Milch, die für die neugeborenen Babies der Mutterkühe vorgesehen war, wird gestohlen. Die Wolle, die dafür vorgesehen war, das Schaf zu wärmen, wird gestohlen. Die Haut und der Pelz, welcher dafür vorgesehen war, von dem Lebewesen, welches darin geboren wurde, getragen zu werden, wird gestohlen. Ein Lebewesen für sein gesamtes Leben einzusperren, bedeutet ihm das Leben zu stehlen. Tiere umzubringen und zu essen, bedeutet ihnen ihr Leben zu stehlen. Die Fleisch- und Milchindustrie hat uns erfolgreich davon überzeugt, dass Tiere keine eigenen Gründe für ihr Leben hätten. Jedenfalls keine Gründe, die nicht beinhalten, von uns Menschen ausgebeutet und benutzt zu werden.

In unserer heutigen Zeit haben wir das Gefühl verloren, etwas zu stehlen, wenn wir Fleisch- oder Milchprodukte essen. Denn unsere Kultur hat uns schon so lange dahingehend eingelullt und getäuscht, dass Tiere allein zu unserem Nutzen existieren. Ja es wird sogar von uns erwartet, dass wir Fleisch- und Milchprodukte essen. Und als sonderbar wird betrachtet, wer dies in Frage stellt. Doch die Wahrheit ist, dass die Tiere nie ihr Einverständnis gegeben haben, von uns gekauft, verkauft, getötet und gegessen zu werden. Wir stehlen ihr Leben aus selbstsüchtigen Gründen. Laut Patanjali läuft dies unserem eigenem materiellen, mentalen und spirituellen Wohlbefinden zuwider.

Wenn jemand sagt, dass es die freie Entscheidung und persönliche Angelegenheit jedes Einzelnen sei, Fleisch zu essen, und dass wir uns da nicht einmischen sollten, dann ist die richtige yogische Antwort hierauf, dass jede Handlung eines jeden anderen auch uns alle betrifft.  Wenn jemand Fleisch isst, betreffen die schrecklichen Auswirkungen, welche die Fleisch- und Milchindustrie auf unseren Planeten haben, uns alle. Durch Fleischkonsum stehlen wir nicht allein das Leben und Glück von Milliarden von Tieren, sondern wir stehlen ebenso sauberes Wasser und frische Luft von den zukünftigen Generationen, die  erst noch in diese Welt geboren werden.

Können wir es uns leisten, uns um das Leiden der Tiere zu kümmern, wo doch so viele Menschen auf der Erde verhungern? Ja! Denn nicht nur weil unsere Sorge um die Tiere es ja nicht ausschließt,  dass wir uns gleichzeitig auch um die Menschen kümmern. Sondern weil im Gegenteil eine vegane Ernährungsweise unserem Planeten unmittelbar hilft und dem Hungern auf der Erde direkt entgegenwirkt: Alle zwei Sekunden verhungert ein Menschenkind. Man braucht ca. 7-10 kg Getreide, um ein Pfund Fleisch herzustellen. Wenn nur 10% der amerikanischen Bevölkerung Vegetarier würden, dann gäbe es 12 Millionen Tonnen mehr Getreide um uns Menschen zu ernähren. Das wäre genug, um die 60 Millionen Menschen, die jährlich verhungern, zu ernähren. Wenn wir den wahren Wert der Praxis des asteya, also des “nicht Stehlens”, verstanden haben, können wir es schaffen, dass es kein Hungern auf der Erde mehr gibt und dass alle genug zu essen haben.

 

-Sharon Gannon, adaptiert aus ihrem Buch “Yoga und Vegetarismus”

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (JYB-Lehrer Sandra Hammoudah); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp )

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team