Jivamukti Yoga Fokus des Monats September 2010 – Tägliche Asana-Praxis

by Sharon Gannon |
September, 2010

Tivra-samveganam-assanah

Patanjalis Yoga Sutren I.21

Durch intensive Praxis rückt das Ziel schnell nahe.

 

Fortschritte hängen bei jeder Art von Yoga davon ab, wie ausdauernd und regelmäßig es praktiziert wird. Das Üben von Asanas stellt dabei keine Ausnahme dar. Um das bestmögliche Resultat zu erzielen, sollte man jeden Tag üben. Anfänger sollten sich von Beginn an eine tägliche Asana-Praxis angewöhnen. Genauso wie Zähne putzen, duschen, oder der nächtliche Schlaf sollte die Asana-Praxis zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs werden.

 

Der Effekt einer regelmäßigen Asana-Praxis kann am Körper schnell wahrgenommen werden. Gelenke und Muskeln werden flexibler und stärker, der Teint beginnt zu strahlen und die Augen zu leuchten. Man fühlt sich leichter und kann gleichzeitig die Ausdruckskraft seines Körpers steigern, da der eigene Bewegungsspielraum und die Koordination zunimmt.

 

Die Vorteile der Asana-Praxis reichen jedoch weit über Haut, Muskulatur und Gelenke hinaus. Mehr als andere physische Übungen beeinflusst die Asanapraxis das Hormonsystem und stimuliert und reguliert dabei die Abgabe von Hormonen. Die positiven Langzeiteffekte, die eine Asana-Praxis auf das Hormonsystem haben kann, können sich allerdings nur bei täglichem Üben einstellen. Ein gesundes Hormonsystem trägt maßgeblich zu einem gesunden Körper bei und kann sogar den Alterungsprozess verlangsamen. Zusätzlich wird der Stoffwechsel angekurbelt und das führt zu einer verbesserten Verdauung und einer effizienteren Aufnahme von Nährstoffen. Übermäßige Hungergefühle und Essstörungen lassen nach. Das Immunsystem wird gestärkt und stabilisiert sich. Man hat mehr Energie und fühlt sich zur selben Zeit ausgeglichener.  Dadurch, dass sich Emotionen stabilisieren, wird Stress ganz natürlich reduziert. Man kann wieder aus dem Vollen schöpfen und findet Zugang zu seiner eigenen Kreativität.

 

Der vielleicht außergewöhnlichste Effekt einer täglichen Asana-Praxis ist  jedoch die Bewusstseinserweiterung, die sich durch die Stimulation der sogenannten „Hauptdrüsen“ einstellt, was besonders durch regelmäßiges Üben von Umkehrhaltungen erzielt wird. Wenn sich unser Bewusstsein, auch „wissendes Prinzip“ genannt, zu einer kosmischen Erkenntnis erweitert, dann beginnt das Individuum, sich nicht mehr als separate, bedeutungslose Person wahrzunehmen, sondern begreift sich als dynamischer Spieler innerhalb der Gesellschaft und der ganzen Welt. Angst und Unsicherheit verschwinden in dem Moment, in dem sich das wahre „Selbst-Bewusstsein“ durchsetzt.

 

Ein dauerhafter Glückszustand, „Samadhi“, das ultimative Ziel von Yoga, kann so realisiert werden.  Man begreift sein komplettes Dasein, seinen Körper und Geist, als Gefährt göttlichen Willens.

 

Mit dem Ende des Sommers  und dem Start einer neuen Saison in einer zunehmend turbulenteren Welt, sorgt eine kontinuierliche spirituelle und physische Praxis für ein ruhiges Umfeld. Genauso wie eine regelmäßige Praxis das Bewusstsein erweitert, erweitert sie auch das eigene Vermögen, mit den täglichen Anforderungen klar zu kommen und andere Menschen wiederum positiv beeinflussen zu können –  und das mit zunehmend weniger Anstrengung. Denn das Einzige, das uns von diesem Leben wirklich „bleibt“,  ist unsere Wirkung auf andere Menschen. Wie wir andere behandeln, formt die Welt, in der wir leben. Asana-Praxis kann das eigene Leben verändern und ermöglicht es uns, zu einer positiven Atmosphäre beizutragen, was wiederum der ganzen Welt zu Gute kommen kann.

 

Die Asana-Praxis kann zu einer enormen Verbesserung der Gesundheit führen und spirituelle Bewusstseinsprozesse stimulieren. Aber nur wenn sie mit kontinuierlichem und intensivem Engagement  praktiziert wird.  So lautete Pantanjalis Rat bereits vor zweitausend Jahren. Malcom Gladwell sprach vor nicht ganz so vielen Jahren in seinem Buch „Outliers“ von der „10.000- Stunden-Regel“. Diese besagt, dass man 10.000 Stunden braucht, um etwas vollständig zu meistern. Natürlich üben wir Asanas nicht, um die einzelnen Übungen meisterschaftswürdig vorturnen zu können. Sondern wir üben mit dem Ziel, den bestmöglichen physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Effekt zu erzielen. Nichtsdestotrotz ist die „10.000-Stunden-Regel“ eine sinnvolle Erinnerung daran, welches Engagement nötig ist, um an unser Ziel zu gelangen.

Fasse daher für die kommende Saison den guten Vorsatz,  einen Monat lang täglich mindestens eine Yogaklasse zu üben, um für dich feststellen zu können, ob und welche positiven Veränderungen die tägliche Asanapraxis in deinem Leben bewirken kann.

 

-Sharon Gannon

deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH, englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp )

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team