Jivamukti Yoga Fokus des Monats September 2011: One Job

by Sharon Gannon |
September, 2011

Ein Job

abhyase ‘py asamartho ‘s i/ matkarma-paramo bhava 

madartham api karmani / kurvan siddhim avapsyasi 

Wenn du nicht meditieren kannst, dann denk an meine Arbeit und führe deine Arbeit mir zuliebe aus, so wirst du erleuchtet werden (BG XII. 10)

 

Jeder von uns hat in seinem Leben nur einen wirklichen „Job“, eine wirkliche Aufgabe und diese ist es, Gott zu finden. Wenn wir das finden wollen, wonach wir eigentlich die ganze Zeit über auf der Suche sind, müssen wir uns nach innen richten und in uns selbst suchen, denn Gott ist in jedem Einzelnen. Um Schutz zu suchen und Trost zu suchen müssen wir uns nach innen richten und sollten nicht so viel Zeit damit verbringen, „dort draußen“ zu suchen. Die wertvollsten Dinge, die wichtigen, die, die wir denken verloren zu haben, werden immer an den Orten gefunden, an denen man am wenigsten damit gerechnet hat und am wenigsten daran gedacht hat, dort zu suchen.

 

Ein Sturm kommt auf, wütet vielleicht schon die ganze Zeit und du hast es die ganze Zeit lang nicht bemerkt, oder du warst dir vielleicht schon dessen bewusst, aber dachtest „so ist das eben mit dem Wetter“. Dagegen kann keiner etwas machen. Du denkst Dinge passieren dir einfach, die Welt kommt von außen auf dich zu und du bist nur ein passives Opfer von bestimmten Umständen, die manchmal glücklicher Natur und manchmal trauriger Natur sind. Optimisten haben dir erzählt, dass Liebe und Frieden möglich sind, aber die Welt ist in so einer Unordnung, sollten wir oder jemand nicht etwas dagegen tun, gegen die Gewalt, das Elend und die Ungerechtigkeit, bevor wir uns gemütlich mit einer Tasse Tee vor dem Kamin in unser Innerstes zurückziehen?!

 

Alles was du siehst und wahrnimmst ist eine Projektion, die aus dir selbst, von innen heraus kommt. Wenn dir das, was du siehst, nicht gefällt, ist der beste Weg das zu ändern, dass du dein Bestes gibst und alles daran setzt, dich selbst zu verändern. Wenn du möchtest, dass die Welt ein friedlicher Platz zum Leben wird, musst du selbst erst friedlich werden, bevor du diese Erwartung an Andere stellst. Wenn du dann den inneren Frieden, das innere Glück gefunden hast, bist du bereit aus eigenem, geistigem Antrieb der Welt gegenüber zu treten. Du verkörperst das, was du in anderen und der Welt sehen möchtest. Gott ist die Quelle von diesem inneren Frieden und der Freude. Freude ist die Natur Gottes und du und Gott seid eins (das ist die Bedeutung von Yoga). Wenn du aus dieser beständigen, inneren Wirklichkeit handelst, kannst du die Welt realistisch sehen; du hörst auf, andere zu beschuldigen, wütend zu sein, andere zu bewerten und findest stattdessen kreative Wege, um dein inneres Glück und die Freude zu steigern.

 

Wenn du stattdessen nach Gott (Frieden/Liebe/Glück und Freude) außerhalb deiner Selbst suchst und Erfüllung in Dingen, Situationen und Anderen, die du als getrennt von dir wahrnimmst, suchst, wirst du wahrscheinlich und unvermeidbar enttäuscht und desillusioniert werden, vielleicht sogar zynisch. Wenn das passiert, wirst du den Glauben an das Leben verlieren und fühlen, dass es keine Bedeutung hat und dass das Leben weder bleibendes Glück noch Freude bietet. Oft bedarf es erst eines „wilden Sturmes“ damit man nach Schutz sucht.

Es gibt viele, die durch ein traumatisches Erlebnis, zum Beispiel einen Unfall, den Tod eines geliebten Menschen oder eine schwere Krankheit eine metaphysische Erscheinung hatten, die sie gezwungen hat, sich nach innen zu kehren und den Sinn des Lebens zu überdenken.

Wenn du nun überzeugt davon bist, dass es wichtig ist, sich nach innen zu kehren, hast du die Frage des „Warum“ beantwortet. Offen bleibt jedoch noch das „Wie“! Wie ist es uns möglich, uns nach innen zu richten? Patanjali sagt dazu: Gib auf und such Zuflucht bei Gott (PYS 1.23). Aber das bringt uns zur Ausgangssituation zurück, weil wir nicht wissen, wie wir Gott finden können. Patanjali gibt natürlich die Meditation als Weg vor, um das innere Selbst zu finden. Das innere Selbst, sowie Krishna in der Bhagavad Gita. Aber was ist zum Beispiel, wenn ich jemand bin, der sehr beschäftigt ist, Kinder habe und einen Job und nicht viel Zeit und ich mir nicht vorstellen kann lange, oder gut genug zu meditieren, durch Meditation den inneren Frieden zu fühlen. Bin ich dann dazu bestimmt unglücklich und verloren zu sein? Oder gibt es etwas anderes was ich tun kann? Ja! Sagt Krishna: Mach weiter mit dem was du tust, aber während du es tust, besinn dich auf mich, behalte mich im Gedächtnis (BG XII.10).

Du musst deinen Tag nicht in spirituelle Praxis und weltliche Arbeit oder Unterhaltendes, das dich ablenkt, einteilen, sondern dein ganzes Leben, jeder Moment kann eine spirituelle Praxis sein, wenn du dabei an Gott denkst bzw. dich auf Gott besinnst.

Ich hab einmal im Radio ein Interview mit Alice Coltrane oder Swami Toriyasangitananda, ihr spiritueller Name, gehört. Der Interviewer fragte sie nach ihren überaus produktiven, musikalischen Leistungen und hat eine Liste von vielen ihrer Aufnahmen zitiert, sowie Performances, die sie aufgeführt hat oder angekündigt waren, sowie von einem Buch, dessen Autorin sie ist und das bald herausgebracht werden würde. Der Interviewer sagte dann „du bist so viel beschäftigt, wie hältst du das alles zusammen und schaffst so viel?“

Alice antwortete mit ihrer für sie charakteristischen, langsamen und festen Stimme „ich hab nur einen Job und der ist es, Gott zu finden und das ist ein Fulltimejob“.

-Sharon Gannon-

Deutsche Übersetzung © Jivamukti Berlin GmbH (JYB-Lehrer Jasmin Gniosdorz); englische Originalfassung unter http://www.jivamuktiyoga.com/focus/focus.jsp )

Translation by – Jivamukti Berlin GmbH Team