Politischer Aktivismus und spirituelle Aktivierung

by Sharon Gannon |
November, 2022
यद्यदाचरति श्रेष्ठस्तत्तदेवेतरो जन: |
स यत्प्रमाणं कुरुते लोकस्तदनुवर्तते ||

Oṁ
yad yad ācarati śreṣṭhas tattad evetaro janaḥ
sa yat pramāṇaṁ kurute lokas tad anuvartate

Ein großartiger Mensch geht mit gutem Beispiel voran und setzt Maßstäbe, denen andere in der ganzen Welt folgen.

— Bhagavad Gita, chapter 3, verse 21

Wir leben in einer Welt, die voller Probleme ist, und wir sind die Lösungen für diese Probleme

— Julia Butterfly Hill

Die Aktivierung einer ethisch begründeten und philosophisch fundierten spirituellen Praxis bedeutet die Integration dieser Grundsätze in das Staatswesen, d. h. in den ökologischen, sozialen und politischen Bereich. Wir sind Mitglieder verschiedener Gemeinschaften. Einige dieser Gemeinschaften sind geografisch begründet, andere genealogisch; und beide werden tiefgreifend beeinflusst, wenn egoistische Sichtweisen durch mitfühlende Weisheit ersetzt werden. Somit wirkt sich der politische Aktivismus, der aus der Kritik eines wahrhaft aktivierten spirituellen Wesens – des Jivanmukta – resultiert, positiv auf die größere Weltgemeinschaft aus. Jede Handlung, jede Entscheidung, die wir als Individuen und als Mitglieder von Gemeinschaften treffen, wirkt sich auf die Welt aus, in der wir leben. Mit Staatswesen ist der Stamm gemeint, das Volk, die anderen Menschen, mit denen wir leben und daher auf allen Ebenen interagieren. Wir leben unter derselben Sonne, wir atmen dieselbe Luft, wir trinken dasselbe Wasser. Unsere individuellen Handlungen wirken sich auf die Sonne, die Luft und das Wasser der Gemeinschaft aus. Wenn wir darüber nachdenken, wird deutlich, dass je Handlung politisch ist.

Tatsächlich bestimmen wir unsere gemeinsame Zukunft durch unsere Handlungen und Entscheidungen in der unmittelbaren Gegenwart, heute, genau jetzt, wo immer wir sind. Unsere Karmas sind eng miteinander verwoben, und es ist von größter Bedeutung, bewusste, freundliche und gebildete Entscheidungen zu treffen, die unweigerlich unsere Gemeinschaften nah und fern prägen werden. In der Yogapraxis geht es darum, unsere Handlungen zu bereinigen. Karma Yoga bedeutet übersetzt die „Vollkommenheit“ (Yoga) der „Handlung“ (Karma). Eine perfekte Handlung ist aus yogischer Sicht eine selbstlose Handlung. Der:Die Yogin:i handelt durch seinen:ihren Satsang oder seine:ihre Gemeinschaft von Wahrheitssuchenden perfekt, denn was für den Einzelnen das Beste ist, kann nur bestimmt werden, wenn man bedenkt, was für die Gesamtheit das Beste ist. Politisch aktiv zu sein, bedeutet in Wahrheit, sich aktiv um die Sicherheit und das Wohlergehen der Anderen zu sorgen, mit denen wir zusammenleben. Das Umsorgen Anderer wird uns der Erleuchtung schneller näher bringen als jede andere Handlung.

Wählen bedeutet, sich zu sorgen, zu geloben, zu wünschen, eine Meinung zu äußern, abzustimmen, zu unterstützen oder zu genehmigen. Wählen ist ein Verb. Wir wählen mit jeder Handlung, die wir tun. Ganz gewiss geben wir unsere Stimme jedes Mal ab, wenn wir etwas kaufen. Wir beschweren uns vielleicht über die Gier der „großen Unternehmen“. Vielleicht zeigen wir mit dem Finger auf unsere Regierung und beschuldigen sie, sich den Verlockungen der Unternehmen zu beugen. Aber wir, das Volk, müssen erkennen, dass wir – du und ich – es sind, die die Kassen der Konzerne füllen. In unserem Streben nach Glück konsumieren wir die Produkte, die sie anbieten, und verlangen dann mehr. Wir erwarten von unseren Politiker:innen, dass sie unseren hohen Lebensstandard aufrechterhalten, notfalls mit militärischen Kräften von Polizei und Armee. Unser Lebensstandard basiert auf persönlichem Reichtum, nicht auf der Lebensqualität für alle Lebewesen. Durch diese egoistischen Handlungen betäuben wir unsere Sinne und vergrößern die Kluft zwischen uns und dieser Erde und allen anderen Wesen, die sie mit uns teilen. Unserem unstillbaren Verlangen ist jedoch kein Ende gesetzt, denn materielle Gegenstände können den Wunsch nach Glück niemals stillen. Dinge oder andere Menschen können uns kein Glück schenken. Wir haben das Glück bereits, es liegt in unserer Natur, es wohnt in unserer Seele, unabhängig von äußeren materiellen Bedingungen. Um es zu entdecken, müssen wir in uns selbst suchen. Wenn wir außerhalb von uns nach Glück suchen, wird es uns immer entgehen.

Wir Menschen, ob reich oder arm, scheinen immer mehr zu wollen. Mehr Einkaufszentren, mehr Benzin, mehr Öl, mehr Kleidung, mehr Autos, mehr Schuhe, mehr Unterhaltung, mehr Pharmazeutika, mehr Vergnügungsparks – das alles wollen wir. Der konditionierte Verstand begehrt unaufhörlich und meist unbewusst.

Wir müssen über unseren konditionierten Verstand hinaus und tief in unsere eigene Seele schauen, um zu finden, was wirklich wertvoll ist. Liebe ist der verborgene Reichtum in unserer eigenen Seele. Wenn wir in den unendlichen Brunnen der Liebe in uns eintauchen und ihn mit den Gemeinschaften, zu denen wir gehören, teilen, beginnen wir, uns von den Ketten der Selbstzufriedenheit zu befreien. Dann projizieren wir positive Gedanken, Worte und Taten. Stimmen immer für, nie gegen etwas. Wie Gandhi sagte: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst“. Die Yogalehren zeigen, dass wir einen sehr wichtigen Schritt auf unserem Weg zur Erleuchtung getan haben, wenn wir die Verantwortung für den Unfrieden in unserer Welt übernehmen können und nicht Anderen die Schuld dafür geben. Wenn wir erkennen, dass nicht Andere den Schlüssel zu unserem Glück in der Hand haben, sondern dass wir ihn in uns selbst tragen, entsteht ein echtes Gefühl des Vertrauens.

Sieh dich selbst als Teil des Problems, aber vor allem als Teil der Lösung. Bleibe positiv, verzichte auf Wut, Streitgespräche und Klatsch. Reduziere die Menge der Dinge, die du kaufst. Reduziere deinen Benzin- und Ölverbrauch; fahre nicht mit dem Auto, wenn du zu Fuß oder mit dem Fahrrad fahren kannst. Entrümple dein Zuhause. Versuche, noch einfacher zu leben, als du es jetzt tust. Trage deinen Teil dazu bei, die Müllmenge in der Welt zu reduzieren. Werde Veganer:in.

Swami Nirmalananda sagte: „Wir scheinen nicht zu erkennen, dass jede:r von uns für den gegenwärtigen Zustand der Welt und der Gesellschaft verantwortlich ist. Deshalb muss jede:r von uns aufhören, zu den Problemen beizutragen, damit wir eine bessere Welt und Gesellschaft hervorbringen können.“ Krieg und Hunger werden ein Ende finden, wenn wir in uns selbst einen Weg finden, einfach zu leben, damit Andere einfach leben können. Wir werden Frieden auf der Erde sehen, wenn wir selbst den Mut haben, diesen Frieden in uns selbst zu schaffen und ihn zu verkörpern.

Schweige nicht, sondern nutze deine Worte, um Andere zu erheben. Sprich freundlich, wohlgesinnt und respektvoll. Wage den Schritt, dich um Andere zu sorgen: Widme dich der globalen Gemeinschaft so sehr, dass du mit jeder Handlung, die du tust, die Liebe wählst.

Teaching Tips

By: YOGESWARI

  1. If you are living in the US, remind students of the upcoming election and the importance of voting in what may be the most consequential election of their lifetime.
    .Illustrate how we cast a vote by what we choose to consume and point out some innovative and ethically motivated businesses to practitioners.
  2. Explain the word “political” as caring for those we live with.
  3. Speak about collective kárma and use the example of a simple day to day task to illustrate its effect on the larger global issues humanity is struggling with.
  4. Teach the yamās and explain the relationship between aparigrahāḥ, ahiṁsā and discuss the karmic effects of applying these practices, as outlined by Maharshi Patanjali in Sadhana Pada.
  5. Speak on veganism in relationship to the yamās, using Sharon Gannon’s book on Yoga and Veganism to springboard your research into how the teachings relate to current issues.
  6. Introduce the concept of Zero Waste and ask students to go plastic free for the duration of the month.
  7. While teaching āsana, have practitioners question the reason for why they practice and reflect on whether a spiritual/ ethical motivation is driving the practice, or whether competition or greed for accumulating āsanas is present , or whether the practice is regarded as just another object of distraction and consumption.
  8. Teach kapālabhāti and explain how emphasis on the exhale may stimulate our giving, generous nature over our greedy, hoarding nature.
  9. Teach ujjāyī Pranayama as a way to engender equanimity and let go of grasping, grabbing, compulsive tendencies
  10. Teach meditation with the aim of calming down the frequency of thoughts and experiencing the bliss and contentment emerging from within.
    .Guide a gratitude meditation to reflect upon interdependence and interconnectedness.
    .Give instructions for a partner meditation where partners face each other, looking into each others’ eyes and evolving to seeing each other as holy beings.
  11. A yogi treads lightly on this earth. Have practitioners experiment with landing lightly and without a sound, especially jumping into Chatturanga or coming down from an inversion. Apply the same idea when stepping or jumping forward into uttānāsana or Vīrabhadrāsana 1 and ask practitioners to reflect on what type of feelings this level of mindfulness elicits.
  12. Practice backbends to stimulate the Anahata Chakra in order to broaden the practitioners’ capacity to put the interest of the larger community of interdependent beings before selfish and self-centered concerns.
  13. Practice standing āsanas and standing balances with the aim to build confidence in the relationship to the earth from within.
  14. Practice adho mukhā ṣvanaṣanā Vrksasana and Pincha Mayūrāsana with partners or in groups of 3 to learn how to take care of and support each other.
  15. For your playlist seek out musicians who support your dharma talk with lyrics that speak about current issues and place mantra or instrumental music in between, in order not to overwhelm practitioners with too many words.